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Das Schöne an der WM … Juni 5, 2010

Posted by Huge in Fußball, Launiges.
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… ist ja, dass plötzlich (fast) alle verstehen, dass Fußball so ziemlich das Größte überhaupt sein kann. Wo früher höchstens Gleichgültigkeit war, stößt man dieser Tage mindestens auf Verständnis, wenn nicht sogar die gleiche überbordende Begeisterung. Zwar geben sich nach wie vor nur die wenigsten derart den Ballfestspielen hin wie wir Verrückte, aber wenigstens wird man nicht mehr mitleidig belächelt, wenn man jubelt oder leidet oder einfach klare Prioritäten setzt.
Plötzlich kommt man ins Seminar und alle fangen von selbst an, über Fußball zu reden. Man muss nicht mehr selbst das Thema ansprechen, man wird nach seiner Meinung gefragt. Mädchen wollen Nachhilfeunterricht, besonders gefragt: Abseits und Trivia. Man muss niemanden mehr zum gemeinsamen Fußball gucken überreden, im Gegenteil. Wenn Deutschland am Mittag/Nachmittag spielt, geht man vormittags durch die Uni und sieht nur schwarz-rot-gold. Auf einmal ist man der beliebteste Student im ganzen Semester, wenn man während der Vorlesung ein Spiel auf dem Laptop sieht. Dort unten auf dem Fußballfeld ist jetzt der Mittelpunkt der Welt.
Für vier Wochen sind Fußballfreaks Mainstream. Ich finde das nicht schlimm. Ich freue mich, wenn sich Leute für diese wunderbare Sache begeistern können, für die Emotionen, für die Spannung – selbst wenn sie vom Spiel an sich nicht viel verstehen und spätestens Anfang August die WM-Euphorie auch schon wieder dahin ist, wenn der Bundesliga-Alltag wieder beginnt. Für vier Wochen gehört die Freude (und das Leid) am Fußball allen und nicht nur denen, die Woche für Woche in den Fankurven der Stadien stehen.Ich finde es schön.

Was soll das? … Mai 31, 2010

Posted by Huge in Politik.
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Si tacuisses philosophus mansisses.

Wenn man einem Außerirdischen erklären sollte, was eine Sensation ist, man sollte es anhand der Nachricht von Horst Köhlers Rücktritt tun. Unerwarteter als der Rücktritt des Bundespräsidenten kann ein Ereignis nicht sein. Dementsprechend wirft es viele Fragen auf. Der Rücktritt von Köhler – mit Tränen in den Augen und gebrochener Stimme, wie überall geschrieben wird, ich konnte von beidem nicht viel sehen – wirkt nämlich auf den ersten Blick wie eine Kurzschlussreaktion. Auf den zweiten wirkt er wie ein beleidigtes Überreagieren, das man von einem Bundespräsidenten nicht erwartet hätte und von Horst Köhler schon gar nicht.

Vor einigen Tagen hatte Köhler mit missverständlichen Äußerungen, in denen er einen Zusammenhang zwischen deutschen Militäreinsätzen im Ausland und nationalen Wirtschaftsinteressen herstellte, für Aufsehen gesorgt. Zeitweise wurde ihm unterstellt, Militäreinsätze, die vom Grundgesetz nicht abgesegnet werden, zu verteidigen. Der offizielle Rücktrittsgrund sind aber nicht diese Sätze. Es ist die Kritik, die Köhler in den letzten Tagen von allen Seiten einstecken musste und die ihn anscheinend derart getroffen hat, dass er nun das höchste Staatsamt in Deutschland aufgibt.

Das ist schwer zu verstehen. Wäre er wegen der Äußerungen zurückgetreten, die er mittlerweile selbst bedauert, so hätte das einen Eindruck von charakterlicher Stärke vermittelt, wie man sie von Horst Köhler in seiner ersten Amtszeit gewohnt war. Nichtsdestotrotz wäre es eine überzogene Reaktion gewesen. Jetzt aber aufgrund der Kritik aus Medien und Parteien zurückzutreten, wirkt alles andere als weise. Dieser Rücktritt sieht eher nach „beleidigte Leberwurst“ aus – der Bundespräsident hat gesprochen und niemand möge ihm widersprechen, sonst macht er nicht mehr mit.

Es lässt sich jetzt schon absehen, dass die Reaktionen auf die Entscheidung Köhlers höchst unterschiedlich ausfallen werden. Die einen werden (wieder einmal) den bösen Medien alle Schuld geben. Ob Schlagzeilen wie „Horst Lübke“ bei SPON ihre sachliche und moralische Berechtigung haben, darüber lässt sich in der Tat trefflich streiten. Aber jemand, der so in der Öffentlichkeit steht und sich auf die Fahnen geschrieben hat, kein simpler Grüßaugust für Staatsempfänge zu sein, muss damit klarkommen. Den mangelnden „Respekt vor dem Amt“ hat Köhler beklagt. Wieviel Respekt vor dem Amt zeigt es eigentlich, wegen solch einer Lappalie hinzuschmeißen?

Der rote Faden im Labyrinth … Mai 27, 2010

Posted by Huge in Musik.
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Madsen: Labyrinth (2010)
Thees Uhlmann, falls ihn jemand nicht kennen sollte, ist Sänger und Songwriter von Tomte, einer der ganz großen der deutschen Indiepop-Philosophen. Dieser Thees Uhlmann schrieb 2005 im Musikexpress einen Satz über Madsen, der mittlerweile legendär ist und mit dem fast jeder Text über diese Band beginnt: das Album Madsen sei „die beste Debüt-LP, seit ich über Musik schreibe“. Das war wohl das, was man gemeinhin einen Ritterschlag nennt.
Mittlerweile sind Madsen angekommen im musikalischen Bewusstsein der Republik, nicht zuletzt auch in den Charts. Das neue Album Labyrinth stieg in den Albumcharts auf Platz sieben ein. Auf diesem Weg hat sich die Band gleich mehrmals neu erfunden – nach dem Debütalbum kam die etwas poppigere Platte Goodbye Logik, die ich persönlich für ihre beste halte. Auf Frieden im Krieg wurde dann plötzlich wieder geschrien und geschrammelt, Labyrinth schließlich ist eine Mischung aus allem.
Die CD beginnt mit einem kleinen Schock: der namensgebende Song Labyrinth ist der Versuch einer textlichen und musikalischen Hommage an Queen´s Bohemian Rhapsody, ohne ein Cover zu sein. Das hätten sie mal lieber gelassen. Ansonsten wie immer, wobei das bei Madsen durchaus ein Qualitätsmerkmal sein dürfte: wunderbare Texte über Freundschaft, das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Madsen haben ihren roten Faden durch das Labyrinth gefunden: es ist beides, das Festhalten und das Haltgeben. In dieser Hinsicht könnte Lass die Liebe regieren zur Parole und Hymne werden, ein T-Shirt-Satz, der fast von Tocotronic sein könnte und außerdem den Inhalt des Albums hervorragend zusammenfasst. Oder Jeder für Jeden, ein Song, der so unglaublich viel ausdrückt über eine Welt, wie wir sie uns träumen („Es ist jeder für jeden / denn alle sind eins / Es ist jeder für jeden / und keiner ist allein“).
Insgesamt verfolgt Labyrinth aber auf jeden Fall weiter das Konzept, dass die Madsen-Brüder (plus Bassist Niko Maurer) auf Frieden im Krieg vorgegeben haben – sowohl musikalisch als auch thematisch. Es gibt melancholische Liebeslieder, die Sehnsucht nach Abenteuern, rausgebrüllte Punksongs, Selbstbewusstsein und Verzweiflung. Aber zum Konzept von Madsen gehört eben auch, dass am Ende alles gut wird, oder wie es in dem schon etwas älteren Song Happy End heißt: „Das Gute siegt / weil es siegen muss.“ Auf dem letzten Album war es der letzte Song Frieden im Krieg, der alles wieder gerade rückt, auf Labyrinth heißt es zum Schluss: „Zusammen sind wir stark und wir knicken nicht ein / wir werden die Sieger sein.“ So soll es geschehen.

Bilanz-Stöckchen … Mai 15, 2010

Posted by Huge in Fußball.
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Verein: Positive Überraschung der Saison
Eigentlich müsste man hier ja Schalke 04 sagen, ich möchte den ersten Titel des Stöckchens aber Mainz 05 zusprechen. Die Mainzer entließen kurz vor dem Start ihren Trainer Jörn Andersen und starteten mit dem unerfahrenen Thomas Tuchel einen Sturmlauf. An Abstieg wurde nie ernsthaft gedacht. Dafür ein großes Kompliment.

Verein: Enttäuschung der Saison
Hier kann es keine andere Antwort als Hertha BSC Berlin geben. Nicht, weil man so viel von der Hertha hätte erwarten können – aber was in dieser Saison an der Spree gezeigt wurde, war einfach eine Katastrophe, die so nie passieren darf.

Spieler: Positive Überraschung der Saison
Meine persönliche Überraschung der Saison ist Sami Hyypiä. Dass Bayer Leverkusen einen 35-Jährigen holt, konnte ich zunächst nicht nachvollziehen. Sami Hyypiä aber machte 32 Spiele, wird vom Kicker als nach Noten viertbester Feldspieler geführt und hatte entscheidenden Anteil am Bayer-Höhenflug.

Spieler: Enttäuschung der Saison

Es kann nur einen geben:Lukas Podolski. Pixel haben sie verkauft, damit der Prinz endlich zurück in sein Reich kam. Und dann? Zwei Tore. Zwei! Eine riesige Enttäuschung.

Spieler der Saison
Arjen Robben
. Mit ihm kam der Erfolg und der schöne Fußball zurück nach München, als nach einer schwierigen Anfangsphase bereits Unruhe einkehrte. Ohne Arjen Robben wären weder Meisterschaft noch Champions-League-Finale möglich und nebenbei schoss der Holländer noch die schönsten Tore der Saison.

Größtes Talent
Ich beantrage eine Doppelnennung: Thomas Müller und Holger Badstuber. Als Nobodys wurden sie von van Gaal quasi ins kalte Wasser geworden, meisterten die Saison aber in allen drei Wettbewerben auf beeindruckende Art und Weise. Jetzt sind wahrscheinlich beide bei der WM dabei, mit 20 bzw. 21 Jahren.

Bester Trainer
Felix Magath hat auch auf Schalke großartige Arbeit geleistet. Wahrscheinlich ist er der einzige Trainer der Welt, der mit vier Klubs hintereinander in kurzer Zeit um die Meisterschaft mitgespielt hat. Und: es sieht so aus, als würde er auch auf Schalke etwas Großes aufbauen.

Schlechtester Trainer
Ich würde jetzt Labbadia sagen, aber der hat ja – man erinnert sich kaum daran – einen Senkrechtstart gehabt. Also geht der Preis an Armin Veh. Der hat es geschafft, die gesamte Meistereuphorie in Wolfsburg kaputtzutreten und hat es mit einer wirklichen guten Mannschaft zu nichts gebracht.

Bewertung der Saison nach Spannung (1-10)
7
– Schade, dass es am letzten Spieltag kein Herzschlagfinale gab. Die Meisterschaft blieb zwar lange offen, der Sieg der Bayern ließ sich aber schon früh vorhersagen. Im Abstiegskampf machte es Hannover mit einer starken Schlussphase nochmal spannend.

Warum nicht alles gut sein darf … Mai 11, 2010

Posted by Huge in Fußball.
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Wahrscheinlich neigt der Mensch dazu, den Rückblick mit rosaroter Brille zu halten. Vielleicht ist es auch einfach ein Abwehrmechanismus gegen das böse Leben. In Bielefeld haben Arminia-Fans vor einigen Wochen die Aktion „Flagge zeigen – Ausverkauft gegen RWO“ gestartet. Dahinter steht der Wunsch, ein Zeichen für Arminia Bielefeld zu setzen: die Fans stehen hinter dem Verein und feiern, als wären sie aufgestiegen. An sich nicht schlecht, ich habe dennoch, trotz Aufforderung via facebook und Mail, darauf verzichtet für die Aktion hier auf dem Blog Werbung zu machen. Denn das erste, was mir dazu einfiel, war: Realitätsverlust.

Die Aktion wurde groß aufgezogen, sogar aktuelle und ehemalige Arminia-Legenden beteiligten sich. Tatsächlich kamen gestern zum Saisonabschluss gegen Rot-Weiß Oberhausen 15000 Zuschauer auf die Alm (lange nicht ausverkauft, aber ein guter Wert), die Stimmung soll herrlich gewesen sein und am Ende stand ein versöhnlicher 2:1-Sieg. Es sollte noch weitere Aktionen geben, etwa einen Marsch vom Jahnplatz zum Stadion oder eine Party auf dem Rathausplatz. Aber es darf eben nicht alles gut sein nach dieser bewegten Saison! Diese Allversöhnungstendenzen tragen nur dazu bei, dass sich nichts Entscheidendes für die Zukunft ändert.

Zu viel ist passiert in diesem Jahr: ein Millionenloch, von dem man gar nicht genau weiß, wie tief es eigentlich ist – eine Mannschaft, die in der Rückrunde sportlich alle Hoffnungen verspielt hat – ein Vorstand, der den Verein fast in den Ruin gewirtschaftet hat – vier Punkte Abzug – ein offenes Zerwürfnis mit den Fans – usw. An all das dürfen Verein und Fans nicht einfach mit einer großen Abschlussparty einen Haken machen, denn das ist die Garantie dafür, dass diese Fehler auch in der Zukunft fortgeführt werden.

Natürlich stehen wir hinter unserem Verein und wäre ich dieser Tage in Ostwestfalen, hätte ich mit Sicherheit auch im Block gestanden – wie übrigens auch bei den Spielen zuvor. Aber muss ich als Arminia-Anhänger meinen kritischen Verstand an der Kasse abgeben? (Die Antwort, die mir jemand in einer längeren Online-Diskussion gab: als langjähriger Armine habe man den eh schon verloren, es sei also egal.) Noch ist kein neuer Trainer gefunden, noch weiß keiner, wie die Mannschaft der nächsten Saison aussehen soll. Da wirkt diese Aktion eher wie die oft gerügte Selbstbeweihräucherung der Fans: solange wir singen, ist egal, wie die Mannschaft spielt.

Es bleibt viel zu tun für die Sommerpause, die Aufgabe der Fans dürfte es dabei sein, diese Entwicklung kritisch zu begleiten und die Mannschaft, wenn es wieder draufankommt, weiter zu unterstützen. Ein Leben lang / schwarz-weiß-blau ein Leben lang!

Super, 96! … Mai 9, 2010

Posted by Huge in Fußball.
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Fußball ist wie das Leben: ein hartes Geschäft. Aber manchmal gewinnen die Richtigen, so wie Hannover 96 an diesem letzten Spieltag. Eine Sympathiebekundung.

Der Fußballfan, der sein Leben nicht in Jahren, sondern in Saisons rechnet, hat viel zu leiden im Wonnemonat Mai, wenn sein Herz einem permanent existenzbedrohten Klub gehört. Wer wüsste das besser als ein Anhänger der Bielefelder Arminia, der sich nur entspannt zurücklehnen darf, wenn sein Verein in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Am letzten Spieltag kommt es dann Jahr für Jahr zum großen Showdown der Gefühle, in dem „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ so nah beieinander liegen, wie es Goethe nur gemeint haben kann. Und mir tun sie durchaus leid, diese Fans, deren verzerrte Gesichter uns über die Empfangsgeräte in den Haushalten erreichen, wie sie leiden, schreien, stöhnen und am Ende entweder feiern oder weinen.

Feiern darf nach dieser Saison Hannover 96. Völlig zu Recht möchte ich sagen (und ich darf das, denn zwischen der Arminia und 96 besteht eine enge Fanfreundschaft und ich war auch schon mal im 96-Block). Es ist unglaublich, was diese Mannschaft, diese Fans und dieser Verein in dieser Saison geleistet haben. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich der Tod von Robert Enke. Es lässt sich weder ausdrücken noch nachvollziehen, was diese Tragödie für die Mannschaft bedeutet haben muss. Die sportliche Bilanz vermittelt einen kleinen Eindruck: ein Punkt aus den ersten zwölf Spielen nach Enkes Selbstmord. Ich hätte damals alles darauf gesetzt, dass sich Hannover von diesem Schock nicht erholt. Sie haben das Unmögliche geschafft, wenngleich jeder, der gesehen hat, wie Enkes Nachfolger Florian Fromlowitz nach dem Abpfiff weinend vor seinem Tor zusammenbrach, weiß dass hier noch lange nicht Normalität eingekehrt ist.

Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Ein Fehlstart, der in dieEntlassung von Dieter Hecking mündete, sein Nachfolger Bergmann machte auf seiner ersten Trainerstation einen guten Job, musste aber während der beispiellosen Talfahrt ebenfalls seinen Hut nehmen. Mirko Slomka, als großer Psychologe angekündigt, schaffte es zunächst ebenfalls nicht das Ruder rumzureißen, stand kurz vor dem Abschuss und durfte dennoch ein Happy end feiern. Es gab verrückte Spiele mit drei Eigentoren; Gegentore, die aus unbeschreiblicher Dummheit (Durica gegen Stuttgart) resultierten; ein 0:7 in München und ein 1:5 gegen Bremen – dann aber wieder das sensationelle 4:2 gegen Schalke, den 6:1-Sieg über Mönchengladbach und das entscheidende 3:0 in Bochum.

Schön, dass wir Hannover 96 noch mindestens ein weiteres Jahr in der Bundesliga sehen dürfen. Diese Mannschaft hat es verdient. Wären wir nicht im unpersönlichen, formlosen Internet, wir sollten alle aufstehen und uns tief verbeugen. 45 Grad, mindestens.

Worte vom Wahltag (NRW) … Mai 9, 2010

Posted by Huge in Politik.
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„Ich bin unpolitisch“ (Frau bei der CDU, die der ARD-Reporter zum Wahlausgang befragen wollte)
„Wir sind keine radikale Partei wie die FDP“ (Cem Özdemir, Grüne)
„NRW darf nicht mit radikalen Parteien regiert werden“ (Jürgen Rüttgers, CDU, interessant vor dem Hintergrund des Zitats oben)
„Und ich freue mich so richtig, dass Schwarz-Gelb abgewählt wurde“ (Bärbel Höhn, Grüne, die dabei aussah wie ein Kind zu Heiligabend)
„Im Internet ist es genauso wie in der Realität“ (Sonja Schönemann, ZDF – als wäre das Internet keine Realität)
„Ich kann der eigenen Partei nur raten, dieses Ergebnis nicht schönzureden“ (Wolfgang Bosbach, CDU)
„Der Krimi im Ersten heute etwas früher“ (Jörg Schönenborn, ARD)
„Ich frag mich gerade, warum Sie nicht in Schutt und Asche gekommen sind“ (Steffi Lemke, Grüne, zu Gröhe und Lindner)
„Höre gerade, dass Jürgen Rüttgers im Spätsommer 78 angeblich einen eigenen Fehler eingestanden haben soll“ (Sascha Lobo auf Twitter)
„Viele sind nicht zur Wahl gegangen, weil sie das Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft nicht mehr erkennen können“ (der allgegenwärtige Prof. Korte)
„Sie merken an meinem Atmen: wir sind stolz“ (Spitzenkandidatin der Linken)
„Die Leute sind unzufrieden damit, dass sich nichts ändert“ (Roger Köppel)
„Die FDP ist wenigstens konsequent: sie sagt, sie macht eine einseitige Klientelpolitik und steht dazu“ (Klaus Wowereit, SPD)

27 für Südafrika … Mai 6, 2010

Posted by Huge in Fußball.
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Noch sind die letzten Entscheidungen in der Bundesliga nicht gefallen und auf nationaler wie internationaler Ebene noch einige Titel zu vergeben, doch schon dreht sich die Fußballwelt um die WM, die in knapp einem Monat in Südafrika startet. Bundestrainer Joachim Löw hat heute seinen vorläufigen Kader, mit dem er große Teile der Vorbereitung bestreiten will, bekanntgegeben. Vier Spieler werden bis zum endgültigen Aufgebot ausgesiebt.
Natürlich bringt es nichts, noch einmal die Liste der Auserwählten herzubeten, die man überall nachlesen kann. Deshalb hier wieder einmal meine überaus subjektive und inkompetente Meinung, leicht inspiriert von Fredéric Vailins Artikel beim Spreeblick.

Tor
Seit der Absage von René Adler wahrscheinlich die spannendste Position im Kader. Manuel Neuer und Tim Wiese machen sich nun Hoffnungen auf den Platz zwischen den Pfosten, aber auch Jörg Butt vom FC Bayern scheint plötzlich eine Option. Der ist zwar noch weniger als Neuer und Wiese auf die Mannschaft abgestimmt, aber nimmt man einen 35-jährigen als Nummer drei mit? Hoffen wollen wir es nicht, zuzutrauen ist es Löw aber allemal. Mit Roman Weidenfeller und Borussia Dortmund hat es sich Löw auf jeden Fall verscherzt. Prognose: Neuer wird spielen, er scheint im Moment den meisten Kredit beim Chef zu haben.

Abwehr
Zwei Überraschungen bietet Löw in der Abwehr auf: Holger Badstuber und Dennis Aogo. Badstuber könnte in der Innenverteidigung angesichts seiner beeindruckenden Leistungen (auch international) durchaus als Hoffnungsträger gelten, Aogo ist aktueller Anwärter auf den David-Odonkor-Preis. Beiden fällt allerdings noch die DFB-Erfahrung. Die besten Chancen auf einen Stammplatz haben die alten Bekannten Westermann, Friedrich, Lahm und Mertesacker. Tasci ist die Alternative für innen, Jansen, Boateng und Beck sollen außen aushelfen. Allerdings haben alle Abwehrspieler (bis auf Badstuber) in den letzten Wochen nicht gerade überzeugt. Mats Hummels fährt nicht mit.

Mittelfeld
Hier erwischte es – meiner Meinung nach berechtigt – einen, der mal zum festen Bestand der deutschen Mittelfeldzentrale zählte: Thomas Hitzlsperger hat zuletzt weder beim VfB Stuttgart noch in Rom gespielt und wird bei der WM fehlen. Schade für den Mann mit dem strammen Schuss, sportlich aber eine nachvollziehbare Entscheidung. Das Herz des deutschen Spiels bilden Ballack und Schweinsteiger, der bei Bayern die Saison seines Lebens spielt. Für die Spielfreude wurden mit Özil, Kroos, Trochowski und Marin gleich vier Techniker nominiert, einer von ihnen (Kroos?) wird wohl die Vorbereitung nicht überstehen. Sami Khedira ist die Alternative für die Sechs, Christian Träsch ebenfalls ein heißer Streichkandidat.

Sturm
Nicht erst seit der causa Kuranyi das Sorgenkind. Der zweiterfolgreichste deutsche Stürmer darf nicht mit, Klose und Podolski haben in dieser Saison wenig positiv von sich reden gemacht. Bei Gomez darf man sich immerhin etwas erhoffen, auch wenn er seine starken Auftritte nie im Nationaltrikot hatte. Thomas Müller hat sich nach einer Riesensaison die Nominierung verdient, mal schauen, ob er seine Leistungen auch international bestätigen kann. Cacau oder Kießling werden wohl vor der WM ausscheiden.

Die große, spektakuläre Überraschung blieb aus, ich hatte natürlich alles genauso erwartet ;) Die nächste spannende Frage jetzt also: Wer setzt Jogis Nivea-Taktik am schlechtesten um und für wen gibt es am Ende der Vorbereitung kein Bild? Meine Kandidaten sind Aogo, Kroos, Träsch und Cacau

Killing me softly … Mai 3, 2010

Posted by Huge in Filmkritik.
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Das Bildnis des Dorian Gray (GB 2009, Trailer)
Ein junger Mann sucht mehr, als das Leben ihm geben kann und verkauft in einem schwachen Moment seine Seele dem Teufel. Als ihm die Ausmaße dieser Entscheidung klar werden, gibt es kein Zurück mehr. Der Stoff ist nicht neu: Bekannt ist er seit dem Mittelalter, Marlowe schrieb den ersten Klassiker dieser Art, Goethes Faust hat ihn populär gemacht und auch Thomas Manns Adrian Leverkühn reiht sich in Doktor Faustus ein. In dieser Reihe darf auch Oscar Wildes Bildnis des Dorian Gray nicht fehlen. Wildes einziger Roman wurde von Oliver Parker neu verfilmt, der Film läuft seit kurzem in den deutschen Kinos.
Die oben kurz skizzierte Geschichte sollte in ihren näheren Einzelheiten den meisten Lesern bekannt sein, handelt es sich doch um ein relativ bekanntes und gut zu lesendes Buch. Ansonsten halt Wikipedia. Seine Seele hat Dorian Gray „an den Altar des Teufels genagelt“, um die ewige Jugend zu erhalten. Das ganze Grauen dieser Entscheidung kommt mit den Möglichkeiten des Films stärker zum Ausdruck als im Buch und hinterlässt mehr Eindruck. Denn Dorian wird zum Getriebenen, ein Lebemann, der das Feuer nicht fürchtet, weil er sich selbst für die Flamme hält. Angestachelt wird er vom Zyniker Henry Wotton (super gespielt von Colin Firth, die Figur erhält aber im Film einen völlig anderen Akzent als im Buch), der ihn das Leben leben lässt, dass er sich selbst nie zu leben traute, wird Dorian zum arroganten Narziss. Er genießt sich zu Tode, innerlich, bis er enttäuscht feststellt: „Genuss ist etwas vollkommen anderes als Glück.“ Schade nur, dass Schauspieler Ben Barnes mit der Rolle anscheinend leicht überfordert ist.
Schade auch, dass sich das Drehbuch am Ende doch noch die Freiheit nimmt, Wilde arg frei zu interpretieren. Mit Wottons Tochter Emily wird ein neuer Charakter erfunden, der zwar durchaus zu Handlung und Aussage passt, der aber dem Film teilweise eine neue Richtung gibt. Am Ende steht ein Konflikt zwischen Dorian und Lord Henry, der schließlich auch das ominöse Bild findet, auf dem sich Dorians wahres Aussehen spiegelt. Weitere kleinere Details (z.B. die Sache mit Sibyl und Jim) wurden verändert.
Von der Kritik wurde der Film meist eher als mittelprächtig beurteilt, die Welt degradierte ihn sogar auf das Niveau von Twilight. Es stimmt, dass sich die Verfilmung teilweise spektakulärer Effekte bedient und ein wenig Richtung Horrorfilm abgleitet. Auch optisch lässt es Parker beim Prototypen der Unmoral richtig krachen, die FSK-16-Freigabe hat er sich verdient. Trotzdem gelingt dem neuen Film etwas, an dem die meisten Romanverfilmungen grandios scheitern. Er hält sich weitgehend an die Vorlage, transportiert die Stimmung des Buches und lässt auch einen Huge, der das Buch gelesen und für gut befunden hat, nicht enttäuscht zurück. Das macht Das Bildnis des Dorian Gray aus meiner Sicht zu einer der besseren Literaturverfilmungen.

Das Afghanistan-Dilemma … April 28, 2010

Posted by Huge in Politik.
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Als die Bilder der vier Särge unter der Deutschland-Flagge durch das Land gingen und die beklommene Stimmung durch die Bildschirme drang, da flüsterten die Stimmen im Kopf plötzlich eine Zeile von Brecht: „Wohl dem Land / das keine Helden hat.“ Gewiss, sie starben als Helden, diese vier Soldaten aus Afghanistan; den Eid, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, haben sie bis zum Ende gehalten. Doch was brachte es ihnen und was bringt es Deutschland?
Der Einsatz in Afghanistan hat sich längst als Fass ohne Boden entpuppt. Verführt Angeführt vom Panikrhetoriker Bush hat man sich in einen Konflikt gestürzt, dessen Reichweite damals gar nicht abzusehen war. Es werden nicht die letzten Trauerreden gewesen sein, die Verteidigungsminister und Bundeskanzlerin halten werden. Die Frage nach dem Sinn des Engagements am Hindukusch wird indes immer lauter gestellt. Warum bittet Guttenberg einerseits so pathetisch um Verzeihung, verstrickt sich dann aber in einer peinlichen Sprachregelungsdebatte? Es ist Krieg, wenn Soldaten gewaltsam sterben. Dass man diesen Zustand aber nicht beim Namen nennen darf, ist die Feigheit der Politiker, die vor der vielbeschworenen Tapferkeit der gefallenen Soldaten immer deutlicher heraustritt.
Deutschland (ich sage nicht die Bundeskanzlerin, der Verteidigungsminister oder die Regierung, ich sage Deutschland) steckt in einem Dilemma, dass ohne Schaden nicht mehr aufzulösen ist. Fast zwei Drittel der Bevölkerung befürworten mittlerweile den Abzug der Truppen, aber wäre dann nicht die ganze Mühe und insbesondere der Tod dieser Soldaten umsonst gewesen? Und ist es tatsächlich verantwortbar, ein solch labiles System sich selbst zu überlassen? Eigentlich wäre mir – zumal als erklärtem Pazifisten – der sofortige Abzug lieb, doch die rationalen Argumente sprechen leider dagegen, fürchte ich. Es wird auch weiter ein schwerer Weg in Afghanistan.