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Den Kopf in den Wolken und mit den Händen im Takt … Juni 19, 2010

Posted by Huge in Musik.
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Normalerweise steht Felix Meyer mit seiner Band auf der Straße. Am Samstag Abend aber gastierte er in der Theaterfabrik Sachsen in Leipzig. Ein Abend voller Sehnsucht, Entschlossenheit und Melancholie.

Langsam, ganz langsam erarbeitet sich Felix Meyer seine Bekanntheit. Der Wahl-Hamburger zieht bei Wind und Wetter durch ganz Deutschland, um auf den belebten Straßen der Großstädte seine Lieder zu singen – ein professioneller Straßenmusiker sozusagen. Daneben gibt er ein „richtiges“ Konzert an jedem Tourort und hat die CD „Von Engeln und Schweinen“ (übrigens mit dem Produzenten von Tokio Hotel) aufgenommen. In Leipzig scheint er bereits eine Fangemeinde zu haben, denn eine Viertelstunde vor Konzertbeginn ist bereits fast jeder Platz im Saal besetzt.

Mit Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon und Kontrabass begeistert die Band die Zuhörer und wenn Felix seine Texte ins Mikrofon singt, will man manchmal nur die Augen zu machen und der Wind trägt uns davon. Aus den Songs spricht die Sehnsucht nach der Ferne, natürlich auch nach einer besseren Welt und die Schwierigkeiten, die Menschen gemacht werden und die Menschen sich machen. Für manche Zeilen hat er den Nobelpreis verdient. Es sind Lieder zum Träumen und Lieder zum Tanzen.

Nach etwas mehr als einer Stunde – viel zu schnell – ist alles vorbei. Nein, noch nicht. Zum Abschluss kommt die Krönung: die SAV (schönst anzunehmende Version) von Kaffee ans Bett – unplugged mit Klavier. Wer bisher noch nicht begeistert war, ist es jetzt. Aber dann ist alles vorbei.

Der rote Faden im Labyrinth … Mai 27, 2010

Posted by Huge in Musik.
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Madsen: Labyrinth (2010)
Thees Uhlmann, falls ihn jemand nicht kennen sollte, ist Sänger und Songwriter von Tomte, einer der ganz großen der deutschen Indiepop-Philosophen. Dieser Thees Uhlmann schrieb 2005 im Musikexpress einen Satz über Madsen, der mittlerweile legendär ist und mit dem fast jeder Text über diese Band beginnt: das Album Madsen sei „die beste Debüt-LP, seit ich über Musik schreibe“. Das war wohl das, was man gemeinhin einen Ritterschlag nennt.
Mittlerweile sind Madsen angekommen im musikalischen Bewusstsein der Republik, nicht zuletzt auch in den Charts. Das neue Album Labyrinth stieg in den Albumcharts auf Platz sieben ein. Auf diesem Weg hat sich die Band gleich mehrmals neu erfunden – nach dem Debütalbum kam die etwas poppigere Platte Goodbye Logik, die ich persönlich für ihre beste halte. Auf Frieden im Krieg wurde dann plötzlich wieder geschrien und geschrammelt, Labyrinth schließlich ist eine Mischung aus allem.
Die CD beginnt mit einem kleinen Schock: der namensgebende Song Labyrinth ist der Versuch einer textlichen und musikalischen Hommage an Queen´s Bohemian Rhapsody, ohne ein Cover zu sein. Das hätten sie mal lieber gelassen. Ansonsten wie immer, wobei das bei Madsen durchaus ein Qualitätsmerkmal sein dürfte: wunderbare Texte über Freundschaft, das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Madsen haben ihren roten Faden durch das Labyrinth gefunden: es ist beides, das Festhalten und das Haltgeben. In dieser Hinsicht könnte Lass die Liebe regieren zur Parole und Hymne werden, ein T-Shirt-Satz, der fast von Tocotronic sein könnte und außerdem den Inhalt des Albums hervorragend zusammenfasst. Oder Jeder für Jeden, ein Song, der so unglaublich viel ausdrückt über eine Welt, wie wir sie uns träumen („Es ist jeder für jeden / denn alle sind eins / Es ist jeder für jeden / und keiner ist allein“).
Insgesamt verfolgt Labyrinth aber auf jeden Fall weiter das Konzept, dass die Madsen-Brüder (plus Bassist Niko Maurer) auf Frieden im Krieg vorgegeben haben – sowohl musikalisch als auch thematisch. Es gibt melancholische Liebeslieder, die Sehnsucht nach Abenteuern, rausgebrüllte Punksongs, Selbstbewusstsein und Verzweiflung. Aber zum Konzept von Madsen gehört eben auch, dass am Ende alles gut wird, oder wie es in dem schon etwas älteren Song Happy End heißt: „Das Gute siegt / weil es siegen muss.“ Auf dem letzten Album war es der letzte Song Frieden im Krieg, der alles wieder gerade rückt, auf Labyrinth heißt es zum Schluss: „Zusammen sind wir stark und wir knicken nicht ein / wir werden die Sieger sein.“ So soll es geschehen.

Unwürdiges Geschäft … Juli 8, 2009

Posted by Huge in Musik.
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Die Welt nimmt Abschied von einem Popstar. Im Tode schien Michael Jackson so lebendig wie schon lange nicht mehr.

Eine derartig pompöse und vielbeachtete Beerdigung hat die Welt lange nicht mehr gesehen. Sogar die ARD schlachtete ihre heilige „20-Uhr-Tagesschau“-Kuh für die Zeremonie zu Ehren von Michael Jackson. Doch je länger man darüber nachdenkt, desto bizarrer erscheint das ganze Schauspiel. Denn das war es doch letztendlich – eine einzige große Inszenierung. Man mag den Angehörigen, Freunden und Fans von Michael Jackson ihre ehrliche Trauer abnehmen. Es ist ebenso unbestritten, dass „Jacko“ zu den großen Stars des vergangenen Jahrhunderts, der Musikgeschichte überhaupt zählt. Aber die meisten der Milliarden Zuschauer auf der ganzen Welt waren wohl nur aus Sensationslust live dabei.

Es war einerseits ein würdiger Abschied für den „King of Pop“, andererseits ein unwürdiges Geschäft. Die Fernsehsender reiben sich die Hände, sorgte doch ein lizenzfreier und somit kostenloser Stoff für atemberaubende Quoten. Wo vor wenigen Wochen noch über die abgehalfterte Kunstfigur Michael Jackson gelästert wurde, überschlagen sich die Kommentatoren jetzt in Lobeshymnen. So zynisch es auch klingt: Michael Jackson war in den vergangenen Jahren derart abgetaucht, dass es für die Öffentlichkeit kaum einen Unterschied machte, ob er lebendig oder tot war. Mit seinem Tod aber feierte er das größte vorstellbare Comeback – was für eine Welt.

De mortuis nihil nisi bene und wir wissen alle, dass nirgends so eifrig gelogen wird wie an Gräbern. Das Leben von Michael Jackson bestand nicht nur aus „Thriller“ und „Smooth Criminal“. Aber auch nicht nur aus Skandalen. Eine endgültige Bewertung steht uns nicht zu. In ein paar Wochen wird das Thema erledigt sein, bleiben wird seine großartige Musik. Aber vielleicht wird es ihm auch so ergehen wie z.B. Kurt Cobain: in einigen Jahren erinnert man sich eher an seinen Tod als an sein Leben.

Coldplay in Zeiten des Internets … Mai 17, 2009

Posted by Huge in Musik.
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Seit Freitag verschenken Coldplay ihr neues Live-Album im Internet. Eine schöne Geste an den Fan, musikalisch bietet LeftRightLeftRightLeft kaum Aha-Momente.

Radiohead war die erste große Band, die ihr Album im Internet zum freien Download anboten. Es klappte – weil Radiohead eben Radiohead ist. Immer mehr Musiker knicken ein vor der Download-Meute und entdecken das Internet plötzlich als Möglichkeit der subtilen Werbung. So auch Coldplay. Dass die Britpopper bereits für 2009 eine nächste Veröffentlichung planen, hatte sich bereits direkt nach dem Erscheinen des sehr erfolgreichen Album Viva la Vida (Death and all his friends) herumgesprochen. Jetzt stellen sie Mitschnitte ihrer Tournee im Netz bereit, bis zum Ende der Tour im September 2009 darf jeder das Live-Album herunterladen.

Eine Entwicklung in die zweifellos richtige Richtung, die sich ohnehin kaum aufhalten lassen wird, denn längst verdient jeder Musiker den Großteil seines Geldes nicht mehr mit CDs, sondern mit Gigs. Und wir wissen ja, wie es sich mit den Mäulen von geschenkten Gäulen verhält. Kritisch betrachtet, ist es dennoch etwas dürftig, was Chris Martin und seine Band da auf die Datenautobahnen schicken. Das Werk trägt den selten blöden Titel LeftRightLeftRightLeft und etwas mehr als neun Tracks hätte man mit Verlaub – v.a. bei einem Livealbum – schon erwarten können.

Es wurde wild zusammengewürfelt, ein paar Hits (Viva la vida, Clocks) sind drauf, andere fehlen. Das große Manko: es kommt kein Konzertfeeling rüber, denn es handelt sich anscheinend nicht um einen kompletten Mitschnitt, sondern verschiedene hintereinandergeschobene Auftritte. Ich höre einige Coldplay-Songs durchaus gerne, finde auch die Stimme von Chris Martin recht ansehnlich, bin aber kein Fan. Irgendwie hört sich alles gleich an, was Martin in sein Mikrofon haucht, oder anders gesagt: es fehlt das Besondere. Vielleicht liegt es auch daran, dass einfach alles zu perfekt und mainstreamig ist. Denn wer nicht vom Weg abkommt, lernt die Gegend nicht kennen.