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Die Zukunft gehört uns … Juli 11, 2010

Posted by Huge in Fußball.
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Öfter war gestern Abend die Floskel vom „versöhnlichen Ende“ zu hören, nachdem die deutsche Mannschaft mit einem 3:2 gegen Uruguay Platz drei bei der WM erfolgreich verteidigt hatte. So, als hätte es in den letzten vier Wochen jemals auch nur einen unterschwelligen Konflikt zwischen Mannschaft und Fans in Deutschland gegeben. Im Gegenteil: es war begeisternd, ansteckend und aufregend. Ich war selten so glücklich beglückt wie nach dem England-Spiel und fast nie so beeindruckt wie ob des Argentinien-Spiels. Es waren große Spiele, dafür Danke!

Dass es am Ende wieder nicht für einen Titel gereicht hat, rief nach dem Spanien-Spiel alsbald die unverbesserlichen Kritiker auf den Plan. Da war die Rede von Ängstlichkeit und „vergessen, wie man Fußball spielt.“ Mit Verlaub: Quatsch! Diese Leute sollen froh sein, keine Engländer, Franzosen, Italiener, Brasilianer oder Argentinier zu sein. Die Mannschaft hat Großes geleistet, obwohl die Vorzeichen nicht günstig waren. Und das Schöne ist: die Hoffnung besteht, dass es so weitergeht.

Denn einem Team, das mit einem Altersdurchschnitt von unter 25 Jahren so aufspielt, gehört die Zukunft. Nur ein kurzer Blick auf das Innenleben der Mannschaft zeigt das ungeheure Potential für die nächsten Jahre. Thomas Müller (20) hat die WM genutzt, um sich auch international einen Namen zu machen und ist einer, der dieses Jahrzehnt fußballerisch prägen kann. Sami Khedira (23) auf der Doppel-Sechs und Mesut Özil (21) als kreativer Kopf haben dafür gesorgt, dass Michael Ballack nur sehr sporadisch vermisst wurde. Manuel Neuer (24) ist der Vorreiter einer neuen Torwartgeneration.

Diese drei Stammspieler waren bereits bei diesem Turnier Stützen einer erfolgreichen Mannschaft, das Gefolge aber ist groß. Allen voran ist dort Toni Kroos (20) zu nennen: bei der WM leider nur Kurzarbeiter, gilt er aber als das größte deutsche Fußballtalent und wird mit Sicherheit den Sprung in die internationale Klasse schaffen. Auch Jerome Boateng, Holger Badstuber, Dennis Aogo und Marko Marin waren in Südafrika dabei und haben Entwicklungspotential. Dahinter stehen immer noch Namen wie Höwedes und Hummels. Die U-21-Europameister des vergangenen Jahres könnten zur Goldgrube des DFB werden – und die U18 und U19 haben ebenfalls Titel gewonnen …

Wie immer macht es die Mischung. Neben diesen jungen Hoffnungsträgern wird die Mannschaft von Spielern geführt, die fast ebenso jung, aber schon ungleich erfahrener sind. Manchmal mag man es kaum glauben, dass Lukas Podolski (79 Länderspiele) und Per Mertesacker (69 Länderspiele), die scheinbar schon immer dabei waren, erst 25 Jahre auf dem Buckel haben. Sie kommen also erst noch ins rechte Fußballeralter. Überhaupt standen im WM-Kader nur drei Spieler über 30.

Besondere Aufmerksamkeit sollte Bastian Schweinsteiger gewidmet werden, der bei dieser WM evtl. den gleichen Schritt gemacht hat wie Lothar Matthäus 1990 in Italien. Seine Bedeutung und seine Leistung bei diesem Turnier ist gar nicht hoch genug zu würdigen. Nicht nur, weil der 25-jährige absolut überragende Leistungen auf dem Platz zeigte und Michael Ballack damit mehr als gleichwertig ersetzte, sondern auch, weil er auch neben dem Platz zu einem Großen herangewachsen ist. Wie Schweinsteiger nach dem Uruguay-Spiel alle Spieler in die Fankurve holte oder jeden Mitarbeiter umarmte, da zeigt sich der Führungsspieler. Er und Philipp Lahm stehen für eine Spielergeneration, die Verantwortung übernimmt und fordert.

Zu hoffen – und aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich – ist, dass Jogi Löw weiterhin Bundestrainer bleibt. Auch für ihn war es ein entscheidendes Turnier. Auch wenn der Fußballfan als solcher sehr vergesslich ist, dürfte Löw sich mit seinen Entscheidungen und deren Erfolg eine Menge Respekt verschafft haben. Wer hätte gedacht, dass der abgestiegene Friedrich, der gefrustete Podolski, der formschwache Klose so aufspielen? Dass nach den Ausfällen von Ballack, Westermann und Adler zeitweise Fußball wie im Traum gespielt werden würde? Ich nicht. Wenn Löw will, bin ich mir sehr sicher, dass innerhalb der nächsten paar Wochen der neue Vertrag steht. Denn diese Mannschaft ist Löws Werk, es sind seine Jungs.

Natürlich kennen wir die Einwände, die unweigerlich kommen. Ein Erfolg in der Gegenwart wäre ja schöner gewesen als das Warten auf die Zukunft, wir kennen die tragischen Geschichten der goldenen Generationen aus England und Portugal und wir waren damals auch nicht auf Jahre unschlagbar. Aber wir haben Hoffnung und wir freuen uns auf die nächsten Spiele. Klar werden wieder schwache Leistungen kommen, Durststrecken im Sturm und Fehler in der Abwehr. Aber wir sehen jetzt nicht nur, was ist, wir sehen, was draus werden kann. In zwei Jahren ist wieder Europameisterschaft.

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