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Killing me softly … Mai 3, 2010

Posted by Huge in Filmkritik.
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Das Bildnis des Dorian Gray (GB 2009, Trailer)
Ein junger Mann sucht mehr, als das Leben ihm geben kann und verkauft in einem schwachen Moment seine Seele dem Teufel. Als ihm die Ausmaße dieser Entscheidung klar werden, gibt es kein Zurück mehr. Der Stoff ist nicht neu: Bekannt ist er seit dem Mittelalter, Marlowe schrieb den ersten Klassiker dieser Art, Goethes Faust hat ihn populär gemacht und auch Thomas Manns Adrian Leverkühn reiht sich in Doktor Faustus ein. In dieser Reihe darf auch Oscar Wildes Bildnis des Dorian Gray nicht fehlen. Wildes einziger Roman wurde von Oliver Parker neu verfilmt, der Film läuft seit kurzem in den deutschen Kinos.
Die oben kurz skizzierte Geschichte sollte in ihren näheren Einzelheiten den meisten Lesern bekannt sein, handelt es sich doch um ein relativ bekanntes und gut zu lesendes Buch. Ansonsten halt Wikipedia. Seine Seele hat Dorian Gray „an den Altar des Teufels genagelt“, um die ewige Jugend zu erhalten. Das ganze Grauen dieser Entscheidung kommt mit den Möglichkeiten des Films stärker zum Ausdruck als im Buch und hinterlässt mehr Eindruck. Denn Dorian wird zum Getriebenen, ein Lebemann, der das Feuer nicht fürchtet, weil er sich selbst für die Flamme hält. Angestachelt wird er vom Zyniker Henry Wotton (super gespielt von Colin Firth, die Figur erhält aber im Film einen völlig anderen Akzent als im Buch), der ihn das Leben leben lässt, dass er sich selbst nie zu leben traute, wird Dorian zum arroganten Narziss. Er genießt sich zu Tode, innerlich, bis er enttäuscht feststellt: „Genuss ist etwas vollkommen anderes als Glück.“ Schade nur, dass Schauspieler Ben Barnes mit der Rolle anscheinend leicht überfordert ist.
Schade auch, dass sich das Drehbuch am Ende doch noch die Freiheit nimmt, Wilde arg frei zu interpretieren. Mit Wottons Tochter Emily wird ein neuer Charakter erfunden, der zwar durchaus zu Handlung und Aussage passt, der aber dem Film teilweise eine neue Richtung gibt. Am Ende steht ein Konflikt zwischen Dorian und Lord Henry, der schließlich auch das ominöse Bild findet, auf dem sich Dorians wahres Aussehen spiegelt. Weitere kleinere Details (z.B. die Sache mit Sibyl und Jim) wurden verändert.
Von der Kritik wurde der Film meist eher als mittelprächtig beurteilt, die Welt degradierte ihn sogar auf das Niveau von Twilight. Es stimmt, dass sich die Verfilmung teilweise spektakulärer Effekte bedient und ein wenig Richtung Horrorfilm abgleitet. Auch optisch lässt es Parker beim Prototypen der Unmoral richtig krachen, die FSK-16-Freigabe hat er sich verdient. Trotzdem gelingt dem neuen Film etwas, an dem die meisten Romanverfilmungen grandios scheitern. Er hält sich weitgehend an die Vorlage, transportiert die Stimmung des Buches und lässt auch einen Huge, der das Buch gelesen und für gut befunden hat, nicht enttäuscht zurück. Das macht Das Bildnis des Dorian Gray aus meiner Sicht zu einer der besseren Literaturverfilmungen.
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