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ZDF 2.0 … April 19, 2010

Posted by Huge in Fernsehen, Politik.
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Von wegen Rentnersender: das ZDF geht in die Internet-Offensive und entdeckt dabei ganz neue Möglichkeiten.
Es war ein Moment für die Götter. Da stand der eingefleischte Fernsehmann Steffen Seibert (ist er tatsächlich schon 49?) vor einem Bildschirm, auf dem gerade Twitter-Feeds einliefen und stieß begeistert hervor: „Das Internet ist so toll.“ Wohlgemerkt: hier schwärmte jemand von einem Medium, das nach Meinung einiger Experten dazu angetan ist, langfristig seinen Arbeitsplatz zu gefährden.
Log in heißt das neue Format, mit dem das ZDF die junge Generation begeistern will – naturgemäß nicht nur für Politik, sondern auch ein bisschen für das Zweite. Die Sendung, präsentiert vom heute-journal-Duo Steffen Seibert und Dunya Hayali, ist Teil der Online-Kampagne des Senders, die unter dem Motto „Erst fragen, dann wählen“ stand und auch von VZ-Netzwerken unterstützt und promotet wurde. Zur NRW-Wahl stellten sich Spitzenpolitiker der Parteien nicht nur den Fragen der Moderatoren, sondern vor allem auch denen der Zuschauer.
Denn die Innovativität und der Reiz dieses Formats liegen besonders in einem: der Interaktivität. Über facebook, Twitter und Chat konnten die User die Äußerungen der Kandidaten sofort kommentieren. Wurde eine Aussage besonders heftig kritisiert oder war sie zu allgemein, hallte sofort ein Zonk durch das Studio: nachfragen. Zudem wurden immer wieder Fragen von Usern direkt gestellt und junge Gäste im Studio bekamen die Möglichkeit, die Gäste mit ihren Problemen zu konfrontieren. Technisch ging das ZDF volles Programm: Grafikelemente, Videos und manche Fragen mussten sogar vorgelesen werden! ;) Und dann natürlich dieses Internet, von dem jetzt alle reden. Ausflüge ins Netz können für klassische Medien und Politiker (unvergessen Brigitte Zypries: „Was ist nochmal ein Browser?“) rasch zur Blamage werden – dieser Gefahr entging das ZDF mühelos.
Hier nutzen die Mainzer nicht nur die Möglichkeiten der neuen Zeit, sie sprechen nicht nur die Sprache der jungen Generation, sie entdecken sogar eine uralte Mission ganz neu: den Auftrag zur politischen Willens- und Meinungsbildung, den zu erfüllen die öffentlich-rechtlichen Sender einst angetreten sind. Ich habe selten, ehrlich gesagt nie, eine Sendung gesehen, die diesem Anspruch besser gerecht geworden ist, auch wenn Log in in erster Linie auf jugendliche Wähler abzielt und für andere Altersgruppen evtl. weniger relevant wäre. Zu Gast waren im „Netzmarathon“ die Spitzenkandidaten Andreas Pinkwart (FDP), Sylvia Löhrmann (Grüne) und Bärbel Beuermann (Linke), SPD-Kandidatin Hannelore Kraft war schon am Freitag da. Ministerpräsident Rüttgers (CDU) schickte seinen Generalsekretär Krautscheid vorbei und musste dafür Kritik einstecken. Auch wenn es politisch nicht viel Neues gab – alle sahen die Probleme, aber weder wollten sie schuld sein noch wussten sie, was zu tun ist – trägt diese Sendung durch ihren interaktiven Charakter zu einem interessierterem Umgang von jungen Menschen mit Politik bei und vermittelt Kompetenz.
Ausgereift ist das Konzept noch nicht, u.a. ist die Sendung deutlich zu lang. Niemand dürfte am Sonntag die knapp vier Stunden am Stück mit vier Kandidaten durchgehalten haben. Das ist ein Ansatzpunkt für Verbesserungen, aber kein Grund, ein so hoffnungsvolles Format auf dem Digitalsender ZDFinfo sowie in den Livestreams von ZDFonline und der VZ-Netzwerke zu verstecken. Vielleicht sehen wir Log in bei der nächsten großen Wahl an prominenterer Stelle. Es wäre zu hoffen.
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