jump to navigation

Video sieht alles … Februar 18, 2010

Posted by Huge in Fußball.
trackback
Ein Schiedsrichter verweigert mit einer skandalösen Leistung einer Mannschaft den Einzug ins CL-Finale (Mai 2009). Durch ein Handspiel qualifiziert sich Frankreich für die WM und nicht Irland (November 2009). Der MSV Duisburg schießt ein Phantomtor, auf das selbst Thomas Helmer stolz gewesen wäre (Januar 2010). Dem FC Bayern verhilft ein klares Abseitstor zum 2:1 in der letzten Minute gegen den AC Florenz (Februar 2010).
Es sind nur wenige der eklatanten Fehlentscheidungen in den letzten Monaten, doch in drei der vier genannten Fälle hatten sie weitreichende Folgen, sportlich wie finanziell. Wenn ein Schiedsrichter mal wieder krass daneben liegt, ist die Forderung nach dem Videobeweis nicht weit. Zuweilen, wie vorgestern bei Bayerns Trainer van Gaal, kommt sie sogar von der bevorteilten Mannschaft. Braucht der moderne Fußball den Videobeweis?
Mittlerweile hängen im Kommerzkosmos Profifußball solche Unsummen an einem einzigen Pfiff, dass der Videobeweis beinahe unausweichlich scheint, um den Folgen einer solchen Entscheidung gerecht zu werden. Es mag sein, dass dies das einzige Argument pro Videobeweis ist, gleichzeitig aber auch das überragende. Die Ausgereiftheit der technischen Mittel steht außer Frage, eher schon ihre praktische Anwendbarkeit. Unter ständigen Spielunterbrechungen zwecks Zeitlupenstudium würde die Spannung erheblich leiden, und überhaupt: wo beginnt die Notwendigkeit eines Videobeweises? Beim Tor, Elfmeter, Freistoß, Eckball oder schon beim Einwurf?
Mir scheint, wir geraten wieder in arg philosophische Dimensionen, auch bei der Frage, ob der Mensch sich tatsächlich jeden Luxus leisten sollte, den er sich leisten kann. Irgendwie gehören Fehlentscheidungen doch genauso dazu wie verschossene Elfmeter. (Das sagt man, weil es Irland war und nicht Deutschland.) Und doch kommt die Diskussion immer wieder an den Punkt: lässt es sich vertreten, dass durch einen menschlichen, aber verhinderbare Fehler Millionen an die falsche Mannschaft gehen, oder wenn wir die finanzielle Perspektive ganz idealistisch vernachlässigen: ein Team um seinen gerechten Lohn gebracht wird?
Viele Fragen, die in den kommenden Jahren noch stärker als bisher an FIFA und UEFA gestellt werden dürften. Die Abwägung ist schwierig. Mein Vorschlag: ein Videobeweis wie beim Tennis. Jede Mannschaft hat zwei Videojoker, also Auszeiten, in denen sie das Spiel anhalten und den Schiedsrichter auffordern darf, die umstrittene Szene noch einmal anzuschauen. Das wäre eine Lösung, mit der eventuell alle leben könnten: Fußballer, Schiedsrichter und Fans.
Advertisements

Kommentare»

No comments yet — be the first.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: