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Aus für Brender und den unabhängigen Rundfunk? … November 29, 2009

Posted by Huge in Fernsehen.
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Es wird nicht viele dieser Art geben, aber ich zahle meine GEZ-Gebühren freiwillig und gerne. Ich weiß das Angebot eines unabhängigen Rundfunks in Deutschland zu schätzen, der abseits von Quoten und Werbeeinnahmen ruhig arbeiten und dabei informieren, unterhalten, bilden, etc. kann. Soweit das Ideal der Rundfunkstaatsverträge. Seit Freitag ist es damit wohl vorbei.

Am Freitag nämlich beschloss der ZDF-Verwaltungsrat auf kräftiges Betreiben von Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch, den zum Jahresende auslaufenden Vertrag von Chefredakteur Nikolaus Brender nicht zu verlängern. Offizielle Gründe waren schlechte Quotenergebnisse sowie ein angestrebter Generationswechsel nach 10 Jahren Brender. Vor allem das Argument der Quote ist dabei völlig absurd, denn gerade deshalb werden dem ZDF jährlich Millionen aus Bürgerhand zugesteckt, damit es bei seinen Produktionen nicht ewig nach Einschaltquoten zu schielen braucht. Das wahre Totschlagargument lautete wohl aber, Brender stehe politisch zu weit links.

Es gibt in Deutschland das schöne Fachwort vom „staatsfernen Rundfunk“. Was soviel meint, dass der Staat nicht mehr soll und darf, als technische Infrastrukturen bereitzustellen. Fernsehrat und Verwaltungsrat, die nicht direkt staatlich organisiert, sondern eine Art Querschnitt der Gesellschaft sein sollen, kontrollieren Inhalt und Finanzen. Dieses Modell des staatsfernen Rundfunks hat mit Roland Koch typischerweise ein Top-Politiker ad absurdum geführt. (Nebenbei: ein weiterer Grund die CDU nicht zu wählen. Die Partei, die auch schon die Netzsperren verhängen wollte.)

Alle vier Jahre, wenn Deutschland gewählt hatte und die Spitzenkandidaten zur „Elefantenrunde“ aufeinandertrafen, schlug – es hört sich wie ein Nachruf an – die Stunde des Nikolaus Brender. Vielleicht lag es daran, dass Brender nur dieses eine Mal im TV direkt auf die Politiker traf, aber seine Umgehensweise und sein Nachfragen hatten absolut nichts von den wöchentlichen Illners, Plasbergs und Wills. Damit sorgte er unter anderem für eine TV-Sternstunde bei der Elefantenrunde 2005 (natürlich auch dank Gerhard Schröder, der vor der Sendung offenbar einen Eimer Testosteron getrunken hatte).

Die Kompetenz Brenders ist landauf landab unumstritten. Neben Intendant Schächter haben sich vor einiger Zeit auch eine Reihe führender ZDF-Mitarbeiter in einem offenen Brief für eine Vertragsverlängerung ihres Chefs ausgesprochen. Selbst „Konkurrent“ Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, verurteilte die Entscheidung scharf. Doch anscheinend wird in den Gremien wieder einmal mehr nach Parteiproporz als nach fachlicher Qualifikation geurteilt. Für die öffentlich-rechtlichen Medien ist das ein fatales, geradezu verfassungswidriges Signal: wer seine Führungsposition behalten will, soll nicht unabhängig, sondern gefällig berichten.

Bei Nikolaus Brender bin ich gespannt, ob er im Februar tatsächlich nach Leipzig kommt, er hätte eine Menge zu erzählen. Aber so manchem Nachrichtenmagazin würde ein Brender als Chefredakteur sehr gut tun. Nicht wahr, die Herren Osterkorn und Petzold? Mein Vertrauen in das öffentlich-rechtliche System ist damit aber empfindlich erschüttert. Und um noch einmal auf die GEZ zurückzukommen: wer sich mit den Hintergründen beschäftigt, dem wird sie nur noch schwer erklärbar sein.

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Kommentare»

1. NixZen - November 29, 2009

Dito, aber kein Verfasungsrechtler scheint sich daran zu stören


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