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Der King of Late Night ist zurück … September 18, 2009

Posted by Huge in Fernsehen.
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Harald Schmidt (gestern, Das Erste)
Harald Schmidt lässt sich nicht beirren. Auch wenn ARD-Wetterfrosch Jörg Kachelmann in den Tagesthemen noch vehement darum gebeten hatte, er möge sich für den Start seiner neuen Show den Bart abrasieren – Schmidt bleibt einer der letzten, die mit Bart im TV moderieren dürfen. Und auch sonst hat sich in der neuen Harald-Schmidt-Show nicht viel geändert, zum Glück.

Mit den ihm eigenen martialischen Worten hatte der King of Late Night seine Rückkehr in die Wohnzimmer angekündigt: „Ich will wieder Blut trinken.“ Pünktlich zur heißen Phase des Bundestagswahlkampf soll sich Schmidt jetzt wieder auf politische und kulturelle Themen konzentrieren. Wie das dann aussieht, zeigte er gestern.

Die Show beginnt gewohnheitsgemäß mit einem Stand-Up, der phasenweise zu einem politischen Rundumschlag gerät. Ob TV-Duell oder Wahlwerbespots, nichts ist vor Schmidt sicher und augenzwinkernd nimmt er die Zahlenwut von „The Good, The Bad and The Ugly“ (Westerwelle, Lafontaine, Trittin) auf die Schippe. Selbst die eigenen Kollegen bekommen im Vorbeigehen einen Spruch mit: man solle doch bitte wieder in Aktien investieren, „einen Platz auf der Couch bei Anne Will gibt es immer“.

Einen Stichwortgeber wie seinerzeit Manuel Andrack gibt es nicht mehr, diese Rolle übernehmen nun TV-Ausschnitte, die Schmidt als Aufhänger für seine Gags nutzt. Und böse kann er auch noch sein, etwa wenn er den Afghanistan-Einsatz „Hausaufgabenbetreuung mit Maschinengewehren“ nennt. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der einst so giftige Nürtinger leiser geworden ist.

Seine neue Liebe ist schon seit längerem das Theater, wie sich auch im zweiten, schwächeren Teil der Sendung zeigt. Als Mini-Sidekicks treten Ex-Ehrensenf-Moderatorin Katrin Bauerfeind, Jan Böhmermann und Dr.Peter Richter von der FAZ in Sketchen und im Studio auf. Es ergibt sich ein wirres, undurchsichtiges Kultur-Fachgesimple über Kino, Literatur und Theater. Was das alles soll, wird nicht so ganz klar.

Als erster Gast tritt der Unternehmer Wolfgang Grupp auf, ein Ur-Schwabe, den ich noch nie vorher gesehen habe und der wie eine Karikatur wirkt. Immerhin: er hat eine energische Meinung zum Mindestlohn, die viel Beifall erhält. Es sind wahrscheinlich die einzigen beiden Sätze in dieser Show, die ernst gemeint sind. Auch wenn Schmidt im Vorfeld zugegeben hatte, als Gast reize ihn nur noch der Papst, er gibt sich Mühe – das war nicht immer so. Dennoch wünscht man sich etwas hochkarätigere und interessantere Gäste, beim nächsten Mal kommt der Berliner Theaterintendant Claus Peymann.

Das Comeback des Harald Schmidt ist mehr oder weniger gelungen, wenn er auch die Brillanz früherer Tage vermissen lässt. Ganz bestimmt aber werden sich immer wieder Glanzpunkte finden. Die Zeiten des Schmidt&Pocher-Experiments sind vorbei. Die ganz großen Lacher gab es zugegebermaßen in der ersten Ausgabe noch nicht, aber Schmidts Markenzeichen war nie der Schenkelklopfer-Witz, er pflegt eher den hintergründigen, andeutenden Humor.

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