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Die Gags kommen nicht an … September 7, 2009

Posted by Huge in Filmkritik.
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Isch kandidiere“ (D 2009)
Über mangelnde Aufmerksamkeit hat sich dieser Film ganz sicher nicht beklagen können. ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nutzte ihn kürzlich als Aufhänger für seinen Leitartikel, um über den Nicht-Wahlkampf der großen Parteien herzuziehen. Auf die Bild-Titelseite schaffte es Horst Schlämmer gleich zweimal: als beliebtester Deutscher und weil ihn 18% tatsächlich wählen würden. Man sollte diese Zahlen politisch und gesamtgesellschaftlich nicht zu ernst nehmen, aber sie zeigen die Beliebtheit, derer sich die Kunstfigur von Hape Kerkeling erfreut.

Zu den politischen Implikationen und Folgerungen des Films vielleicht später. Zunächst aber zum Film selbst. Nach dem Ende bleibt nur zu sagen: so viel Werbung, so wenig los oder in der Sprache der Kommunikationswissenschaft: die erwarteten Gratifikationen der Mediennutzung wurden nicht erbracht. Woran das liegt, lässt sich – zumal für mich – schwer feststellen. Der Beginn beim Grevenbroicher Tagblatt ist behäbig, ein paar nette Witzchen, aber die meisten Gags kommen nicht an.
Das ändert sich auch nicht, als Schlämmer für die HSP als Kanzlerkandidat kandidiert. Nervtötender Straßenwahlkampf wechselt sich mit aufdringlicher Werbung in 9Live-Quizshows ab. Es ist durchaus die eine oder andere gute Idee dabei, z.B. die Talkshow, in der Praktikant Ulle (Simon Gosejohann) gegen Claudia Roth und Gabriele Pauli antritt. Prominente sind reichlich dabei: Bushido, Bully, Cem Özdemir, Gesine Lötzsch und einer der Gründe, diesen Film zu gucken, das verwunderte Gesicht von Jürgen Rüttgers, als Schlämmer seine Kandidatur bekanntgibt. Bushido spielt sogar einen eigenen Song ein für den neuen Politstar, einer der wenigen Höhepunkte.
Am Ende findet der Film exakt den Ausgang, der zu seinem mittelmäßigen Verlauf passt, nix Ganzes und nix Halbes, kein Sieg und keine Tragödie. Die Bildschirm-Bettina Schausten rechnet die HSP auf 36% hoch, Schlämmer bricht zusammen, träumt noch von seiner misslungenen Vereidigung und muss beim Aufwachen erkennen, dass auf ihn doch nur 0,36% der Stimmen entfielen. Das wirkt auch ein bisschen überzogen, dieser Wechsel der Extreme. Schlämmer marschiert raus, lässt sich von Michael Schumacher im Ferrari mitnehmen und kündigt gleich seine nächste Kandidatur an. Was nun aber nicht unbedingt ein Hinweis auf eine Fortsetzung sein soll.
Charme hat die Idee des Films durchaus, sie ist nur überwiegend bieder umgesetzt. Vielleicht hätte die Konzentration auf einige vernünftige, wirklich witzige Handlungsstränge anstatt dieses Hin und Her zwischen Kneipe, Straße und Fernsehstudios (was sollte eigentlich dieses Musikerbankett bedeuten?) geholfen. Dieses Format eignet sich wohl eher für eine Sketch-Comedysendung. Nichtsdestotrotz: Hape Kerkeling als Horst Schlämmer ist ein Knaller. Und Ronald Pofalla ist wohl auch noch nie so treffend parodiert werden. Daneben tritt Kerkeling noch als Ulla Schmidt, Sängerin Uschi und Angela Merkel auf.
Kurz zur politischen Komponente: die Kritik am Politik-Zirkus, vor allem in Wahlkampfzeiten, ist natürlich unübersehbar. Man muss wahrlich nicht sonderlich deutungskompetent sein, um im HSP-Motto „konservativ, liberal, links“ einen parodistischen Rückgriff auf die Inhaltslosigkeit manches politischen Statements zu erkennen. Vielleicht wünscht sich das Volk jemanden wie Schlämmer: etwas verrückt, von unten, mit sympathischen Schwächen. Da sind wir dann auch fast wieder bei der Frage, ob der Wähler belogen werden will. Das führt hier aber entschieden zu weit. Na denn: Hasenpower!
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