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Die neue Mensa, das unbekannte Wesen … Juli 1, 2009

Posted by Huge in Launiges.
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Mit der neuen „Mensa am Park“ hat die Universität Leipzig dem Essen den Tempel gebaut, den es verdient. Ein Abenteuer.

Wie jeden Tag zur Mittagsstunde, wenn die Sonne hoch über der Stadt steht, strömen Leipzigs Studenten zu den Mensen, um die profansten menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Seit Montag ist das endlich auch in der neuen „Mensa am Park“ möglich, die ihren Platz am Augustusplatz gefunden hat, wo der neue alte Campus entstanden ist, entsteht und entstehen soll. Der Name ist irreführend wie so einiges an dieser Universität, liegt der Ort der Essensausgabe doch so weit vom namensstiftenden Schillerpark wie – wie sonstwas.

Es herrscht Anarchie. Mindestens zwei Schilder, die in großen Lettern „Kein Eingang“ schreien, hängen an der Tür, durch die ungerührt die hungrige Meute strömt. Die vermeintliche Zeitersparnis erweist sich als Irrglaube, denn zu den Aufwertern und Tabletts ist der Weg dafür umso weiter. Aber immerhin: eine Möglichkeit, die örtlichen Gegebenheiten erstmals in den Blick zu nehmen. Hell ist es, es riecht gut, los geht´s. Und dank knapp 20 Mio. Steuergeldern ist auch an der architektonischen Ästhetik nicht gespart worden.

Bewaffnet mit Teller, Tablett, Besteck und bis obenhin geladenem Studentenausweis (bargeldloser Zahlungsverkehr, you know) geht es durch dieses Schlaraffenland des Mittagessens. Die Auswahl ist im Vergleich zu den übrigen Mensen so, wie es sich für einen dekadenten Industriestaat gehört: riesig. Mit großen Augen gehen wir kreuz und quer an den Theken vorbei, während die Tabletten Tabletts immer schwerer und voller werden.

Beinahe unmöglich ist es, Kopf, Hände und Magen gleichzeitig unter Kontrolle zu halten. Die Zeit der Pauschalpreise ist in der neuen Mensa nämlich vorüber, hier wird selbst gerechnet. Wessen Augen hungriger waren als die virtuelle Geldbörse hergibt, für den wird es am Ende peinlich. Jede Komponente muss einzeln abgerechnet werden, was einigen doch Schwierigkeiten bereitet. Ein weiterer Ort, das staatliche Bafög verantwortungslos zu verprassen. Vorschlag: Taschenrechner am Eingang oder gleich ein „All you can eat“-Tarif. Aber all das nehmen wir gern in Kauf für diese Massen von – zumindest theoretisch verfügbarem – Essen, die sich vor uns ausbreiten: Reis, Pizza, Kartoffeln, Steaks, alles mögliche andere und natürlich das „Nudel-Rondell“, das unter Kommilitonen jetzt schon Kultcharakter genießt.

Ist das Essenholen hier das eigentliche Abenteuer? Vielleicht, aber auch das Essen selbst enttäuscht nicht, im Gegenteil, was dem Hörensagen nach in vielen Mensen Deutschlands anders ist. Platz ist genug da, oben auf der Galerie sind sogar ganze Tische unbesetzt und wer schon einmal in der Interimsmensa zehn Minuten lang auf einen Platz gewartet hat (allein!), dem mag sich dies wie ein Wunder darstellen. Und so sitzt man dann dort oben und schaut ab und an fasziniert hinunter auf dieses bunte Treiben und das Karussell. Und dann und wann ein weißer Elefant.

Der Teller ist leer. Die Mittagspause vorbei. Morgen ist Klausur, es muss viel getan werden, die Bibliothek ruft aus ein paar hundert Metern Entfernung. Ein letzter wehmütiger Blick zurück. Er wird wiederkommen.

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