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Jetzt hilft nur ein Neuanfang … März 10, 2009

Posted by Huge in Fußball.
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Theater spielen sie auf Schalke schon seit Monaten, Jahren. Vorläufiger Höhepunkt: die Entlassung von Manager Müller. Der ruhebringende Vorhang fällt deshalb aber noch lange nicht.

Es mutet an wie ein absurdes Stück, das da rund um die Veltins-Arena aufgeführt wird. Wie sonst sollte man es bezeichnen, wenn die Fans nach einem Sieg ihre Mannschaft gnadenlos auspfeifen? So geschehen auf Schalke nach dem 1:0 gegen den 1.FC Köln. Erlösungscharakter hatte dieser Dreier nicht, für Manager Andreas Müller schon gar nicht. Das Schalker Urgestein wurde gestern entlassen.

Eine Maßnahme, die längst überfälig. Nicht nur, weil die Fans ein Brandopfer forderten, sondern auch, weil Müller seit einiger Zeit schlichtweg mangelhafte Arbeit leistete. Die Schalker Transferpolitik ist nicht erst seit dieser Saison ein Friedhof für Millionen von Euronen und große Hoffnungen. Streit, Großmüller, Zé Roberto, Farfan, Engelaar – die Liste der teuren Fehleinkäufe ist lang. Zu verantworten hat das in erster Linie Müller, der seit 2005 in der Geschäftsstelle Regie führt, aber auch schon vorher als Assistent von Rudi Assauer arbeitete.

Musterbeispiel für einen verfehlten Schalke-Transfer ist Orlando Engelaar. Für sechs Millionen kam der Niederländer Anfang der Saison von Twente Enschede, Vorschusslorbeeren inklusive. Da hatte anscheinend noch niemand gemerkt, dass Engelaar seinen linken Fuß nur zum Stehen benutzt und weitere eklatante technische Defizite besitzt. Umso erstaunlicher ist das, weil Trainer Fred Rutten Engelaar jahrelang selbst trainierte.

Sportlich scheint Rutten die Kurve in den vergangenen Wochen einigermaßen gekriegt zu haben. Weil Schalke wieder an den internationalen Plätzen schnuppert, darf der Niederländer vorerst bleiben. Im Gegensatz zu Müller, der sich zu allem Überfluss auch noch in TV-Interviews um Kopf und Kragen geredet hatte. Das Schicksal der beiden ist also keineswegs untrennbar verknüpft. Im Umfeld aber brodelt es weiterhin.

Die wenigen Spieler, die sportlich öfters zu überzeugen wissen, machen diesen Wert durch Eskapaden gleich wieder zunichte. Kevin Kuranyi trifft zwar ab und zu das Tor, ist bei den Fans aber ein rotes Tuch. Rafinha gilt einigen als einer der besten Rechtsverteidiger der Welt, bleibt aber mehr als Olympia-Ausreißer, Meckerer und Partygänger in Erinnerung. Manuel Neuer ist weit von der Form entfernt, die ihm den Ruf als großes Torwarttalent brachte. Überhaupt fehlt Schalke seit einigen Jahren die personelle Qualität für ganz oben. Vor allem im offensiven Kreativbereich, wo nach Lincolns Abgang ein Loch entstand, das nie gestopft werden konnte.

Wie geht es weiter auf Schalke? Gute Frage, nächste Frage. Denn die Querelen sind kein Gebot der Stunde, sondern schon seit Jahren an der Tagesordnung, spätestens seit dem Ende der Stevens-Ära. Nach der Müller-Demission muss nun zunächst ein Nachfolger her. Als Kandidaten kursieren die Namen Rudi Assauer und Olaf Thon, wobei letzterem von Seiten mehrerer Medien kaum Chancen eingeräumt werden. Ohnehin scheint fraglich, ob ein Mann, der in einem Netz von Abhängigkeiten und Beeinflussungen von Vorstand und Aufsichtsrat steckt, der richtige in dieser Situation ist. Assauer wäre es schon aus Gründen der Selbstweihräucherung zuzutrauen, dass er den Job noch einmal macht.

Die beste Lösung wäre wahrscheinlich ein konsequenter Neuanfang. Ohne die Herren Schnusenberg und Tönnies aus dem Aufsichtsrat, die vielleicht Ahnung von Zahlen, aber definitiv nicht von Fußball haben. Ohne Spieler wie Kuranyi und – bei aller sportlicher Qualität – auch Rafinha. Vielleicht auch ohne Fred Rutten, dafür mit einem kompetenten Manager, der nicht aus dem aktuellen blau-weißen Dunstkreis stammt. Zudem muss das Verhältnis zu den Fans endlich bereinigt werden. Oder sollte sich der Verein – frei nach Brecht – neue Fans wählen? Um integere Spieler wie Jones und Neuer ließe sich ein neues Team aufbauen. Schalke würde vielleicht ein paar Jahre im Mittelfeld rangieren, doch einfach war ein Neuanfang noch nie.

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