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Bielefeld sagt Bonjour Tristesse … März 9, 2009

Posted by Huge in Fußball.
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Noch steht Arminia Bielefeld auf Platz 15 der Bundesliga-Tabelle. Angesichts der aktuellen Leistungen muss man sich fragen, wie lange noch. Die Anzahl der Gründe dafür ist Legion. Überlegungen eines involvierten Dilettanten nach dem 0:0 gegen Frankfurt.

Manchmal spricht das Schicksal fließend ironisch, und wenn es nur Details sind. „Es könnt alles so einfach sein, ist es aber nicht“, sangen Fanta Vier am Samstag direkt nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt über die Lautsprecher auf der Alm. Den etwas enttäuscht abwandernden Arminia-Fans dürfte das in dem Moment bekannt vorgekommen sein. Denn keine Spiele gewinnt der DSC im Moment so schwer wie die vermeintlich einfachen.

Dabei wäre mit einem Sieg über die Eintracht ein Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt gemacht worden. 23 Punkte hätten das schwarz-weiß-blaue Konto geziert, gleichauf mit dem Gegner. Aber wie sagte schon Hermann Gerland, als er noch bei der Arminia sein hartes Regiment führte: „Hätte, wenn und aber – alles nur Gelaber.“ So sind es lediglich 21, der Vorsprung auf die Abstiegsplätze ist hauchdünn. Die Gründe für die brenzlige Situation sind mannigfaltig.

Von den vergangenen sieben Spielen hat Arminia Bielefeld nur eines verloren. Was einem Klub dieser Größenordnung schnell zur Ehre gereichen könnte, relativiert sich schnell beim näheren Hinsehen. In der gesamten Saison kommt Bielefeld auf kümmerliche drei Siege – die wenigsten der Bundesliga. Daneben stehen 12 Unentschieden zu Buche. Das altbekannte Problem: gegen Teams wie Werder Bremen, die schnell und kultiviert nach vorne spielen, wird gerne mal ein Sieg eingefahren. Komplizierter wird es bei Duellen mit direkten Konkurrenten.

Exemlarisch lässt sich das am Fallbeispiel der Frankfurt-Partie zeigen. Sobald ein Team ähnlich dicht gestaffelt steht wie Bielefeld selbst und die Räume eng macht, kommt das Spiel zum Erliegen. Es entstehen Begegnungen auf Einschlafniveau wie am Sonntag, in denen sich beide Mannschaften neutralisieren und der Ball den Strafraum nur vom Aufwärmtraining kennt. Furchtbar, wenn ein herausgeholter Einwurf als Erfolgserlebnis gelten muss. Selbst die Initiative zu ergreifen und das Spiel zu gestalten, das liegt der Arminia nun wirklich nicht. Vielleicht auch, weil sie niemanden hat, der es könnte. Viel lieber steht Bielefeld tief in der eigenen Hälfte, um bei gegnerischen Fehlern schnell zuzuschlafen. Diese Kontertaktik geht von Zeit zu Zeit bei offensiven Teams auf, nützt aber wie gesagt bei den meisten Gegnern, die selbst eher defensiv eingestellt sind, wenig.

Wenn es in dieser Saison einen Unterschied zu Gunsten der Blauen gab, so machte diesen meist Artur Wichniarek. Der polnische Torjäger spielt eine vorzügliche Saison. Wenn er traf, hat Bielefeld in dieser Spielzeit noch nicht verloren. Doch fehlt „König Artur“, heißt es bald Bonjour Tristesse, zu bestaunen ebenfalls am Sonntag gegen Frankfurt. Interessante und talentierte Spielertypen gibt es in der Bielefelder Elf zwar durchaus, doch niemand hat das Zeug, ein Spiel zu entscheiden. Katongo mag einigen Wirbel machen, ist aber etwa so torgefährlich wie Markus Schuler. Das Fehlen von Mijatovic und Kamper konnte ebenfalls nicht kompensiert werden. Arminia Bielefeld kann keine Bank haben wie Bayern München, ein paar mehr Alternativen dürften es aber schon sein.

Wer die ganze spielerische Armut der zweiten Bielefelder Garde sehen möchte, der fasse Mut und sehe sich Berat Sadik an. Am Sonntag kam der Finne nach 27 Minuten aus der Not (sprich Kampers Verletzung), versuchte sich als Sturmspitze, scheiterte jedoch kläglich. Er war sicherlich nicht der einzige, dem nichts einfiel, doch wenn Sadik an den Ball kam, sprang dieser entweder ins Aus oder zum Gegner. Seine Motive waren natürlich edel und rein, allein: er konnte nicht. Gerade im Sturm, wo die Abhängigkeit von einem Spieler so offenkundig ist, wäre es angebracht, einen zweiten Spieler zu holen, der regelmäßig trifft.

Bis dato steht der DSC noch über dem verhängnisvollen Strich. Doch wer am Samstag das 4:1 der Gladbacher mit einem überragenden Marko Marin gegen den HSV gesehen hat und sich am Tage danach die Bielefelder Magerkost zu Gemüte führte, der weiß, wie hart die letzten Monate der Saison werden können. Siege müssen her, Unentschieden reichen nicht mehr, die klassischen Sechs-Punkte-Spiele müssen gewonnen werden. Die Chancen, ein ruhiges Jahr im Mittelfeld zu verbringen, waren dabei so groß wie lange nicht mehr, denn noch nie punkteten die Kellerkinder so spärlich wie in dieser Saison. Leider schloss sich unsere Arminia nahtlos an.

Doch bei allem, was momentan nicht rund läuft, dürfen Fans und Vorstand eines nicht aus dem Blick verlieren. Arminia Bielefeld kann nicht in der oberen Tabellenhälfte mitspielen. Vorerst bleibt das Herzinfarkt-Risiko bei jedem Saisonfinale konstant, d.h. Abstiegskampf bis zur letzten Sekunde. Bisher lief am Ende immer alles glatt, aus dem einstigen Fahrstuhlklub ist still und leise ein etabliertes Stück Bundesliga geworden. Auch deshalb ist eine Trainerdiskussion (die es nicht gibt) absolut fehl am Platz. Bei den Spielern muss man zwar die eine oder andere Personalie überdenken und nachbessern, doch die Mannschaft scheint nach wie vor intakt und kampfbereit.

In den vergangenen Jahren lief es doch so: kaum spielte einer im Bielefelder Trikot zehn Monate überdurchschnittlich gut, wechselte er im Sommer nach Dortmund, Wolfsburg oder gar Köln. Wegen angeblich besserer Perspektiven. Mittlerweile scheint sich dieser Trend grundlegend gewandelt zu haben. Artur Wichniarek, nach seinem Hertha-Intermezzo ohnehin gebranntes Kind, verlängerte anstandslos seinen Vertrag trotz Angeboten. Und auch Shootingstar und Publikumsliebling Dennis Eilhoff bleibt der Alm erhalten – und die Alm ihm, was im Fall Eilhoff wohl auch eine wichtige Rolle gespielt hat.

Zweifellos liegen schwere Monate vor Michael Frontzeck und seinen Schützlingen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt: Arminia Bielefeld ist erstligatauglich. Und wer sich noch an das furchtbare 0:2 gegen Duisburg an dem Tag, als ich Luft wurde, erinnert, der weiß, dass Wunder nach einem solchen Tiefpunkt umso wunderbarer sind. Also, we have to fight weiter!

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