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Endprodukt gelungen … Februar 25, 2009

Posted by Huge in Filmkritik.
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„Operation Walküre“, der Hollywood-Film mit Tom Cruise als Stauffenberg, ist einer der Filme, die man gesehen haben muss. Nicht weil er so überragend gut ist, sondern um mitreden zu können.

Operation Walküre (USA 2008)
Gestern Abend geschah es endlich. Nach langer Wartezeit durfte auch ich mir, gemeinsam mit Tommy und JMS, den Film „Operation Walküre“ in einem Bielefelder Kino zu Gemüte führen. Soviel darf ich schon verraten: es hat sich gelohnt.

Aus der Geschichte lernen – das ist doch einer der Hauptgründe, warum es Filme wie diesen gibt. Den Machern von „Operation Alküre“ bewiesen schon am Anfang, dass sie aus den Fehlern anderer gelernt haben. Tom Cruise trägt die Augenklappe historisch korrekt auf der linken Seite und nicht wie Sebastian Koch in der deutschen Verfilmung über dem falschen Auge. Auch sonst machte der Film, allen Kritikern zum Trotz, einen guten Eindruck.

Die Geschichte des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist weithin bekannt und doch ist sie es wert, immer wieder erzählt zu werden. Nazi-Militär, verwundet in Afrika, Hitler-Gegner, Attentat, Putschversuch, hingerichtet. Der Film erzählt die Geschichte Stauffenbergs und die Geschichte dieses 20. Juli 1944 nicht neu, was schon viel wert ist. Er erzählt sie nur einem größeren Publikum, der ganzen Welt nämlich.

In Zeiten, in denen Deutschland im internationalen Film nach wie vor nur als Ort abscheulicher Nazi-Erzählungen eine Rolle spielt, ist dieser Film endlich ein pompöser Zwischenruf. Stauffenberg als Mann und Soldat, der alles für die gute Sache tut, verkörpert genau den Heldentypus, nach dem Hollywood und der Rest der Welt beständig schreien. Wie ein Kaugummi hatten sich die leidigen Diskussionen um Tom Cruise als Widerstandskämpfer gezogen, insbesondere aufgrund Cruises Scientology-Verwicklung. Die Streitigkeiten sollten sich mit diesem Film erledigt haben.

Tom Cruise verleiht Stauffenberg nicht nur eine Präsenz und Feierlichkeit der besseren Sorte, er passt mit seinem Aussehen und seiner entscheidungsfreudigen, entschlossenen, selbstbewussten Art exakt in das Bild Stauffenbergs. Letztendlich zählt allein das und der Umstand, dass Cruise mit diesem Film das internationale Ansehen Deutschlands aus der Geschichte heraus zwar nicht endgültig revidiert, aber zum Nachdenken anregt. Alle Scientology-Diskussionen sind also Quatsch. Bei Fußballern und anderen Stars interessiert das auch niemanden, solange sie ihren Job gut machen.

Vom Hintergrund zum Sichtbaren. Leider nimmt der Film erst im mittleren Teil an Rasanz und Spannung auf, der Anfang verläuft doch recht schleppend. Doch umso mehr wird das Attentat als Zäsur der Story verstanden, die den Film in die richtige Richtung lenkt. Das Ende kommt ein wenig plötzlich – eben lief noch alles bestens, schon werden sie abgeknallt. Natürlich werden auch die dunklen Punkte in Stauffenbergs Biographie nicht abgehandelt. Aber wer will dem Regisseur einen Vorwurf machen? Bryan Singer hat sich eines komplexen Stoffes angenommen, der in 120 Minuten nur mit vielen Auslassungen, Kürzungen und Andeutungen darzustellen ist. Dafür wirkt aber nichts rein abgehakt, die meisten Szenen werden detailgetreu entwickelt und nachgezeichnet. „Operation Walküre“ schweift nicht ab, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche – die Ereignisse des 20. Juli in Wolfsschanze und Bendlerblock. Zu dieser Konzentration auf das Wesentliche gehört eben auch, ausnahmsweise keine Frauengeschichte einzubauen. Wie uns das freut!

Die entscheidenden Momente kommen nicht übermäßig pathetisch, dafür aber präzise konstruiert daher. Es sind diese Szenen, die in wenigen Sekunden einen Sturm von Symbolen und Assoziationen auslösen und den Film am Leben halten. Zum Beispiel Stauffenbergs energischer Hitlergruß in Fromms Büro mit seinem amputierten Arm: eine Szene, die in einem Bild einen verletzten und enttäuschten Kämpfer, einen entschiedenen Rebellen und gleichsam die Verfassung des deutschen Traums von Lebensraum und Weltherrschaft zeigt. Singersetzt solche Szenen behutsam und durchaus zur rechten Zeit ein. Die Schauspielergarde hinterlässt einen ordentlichen Eindruck. Cruise wie gesagt gibt einen guten Stauffenberg ab, auch Christian Berkel (einer von mehreren Deutschen im Cast) weiß in seiner Nebenrolle zu überzeugen. David Bamber hingegen scheitert und spielt einen gräulich schlechten Adolf Hitler, der wohl auch aufgrund seiner anspruchsvollen Figur nur selten zu sehen ist.

Es handelt sich zwar nicht, wie Tommy behauptete, um „einen der besten Filme“. „Operation Walküre“ ist ein schöner, ausdrucksstarker Film, der sich erfreulich nah an der historischen Wirklichkeit orientiert, auch wenn er bei mir nicht die ganz große Begeisterung auslösen konnte. Am Ende aber bleibt, dass sich ein lange umstrittener Film keine zu großen und zu offensichtlichen Schwächen geleistet hat. Und das ist schon mehr, als manche erwartet haben.

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