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Gottschalk in Gefahr – „Wetten, dass …“ in Stuttgart … Dezember 14, 2008

Posted by Huge in Fernsehen.
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Eine Tendenz ist in der neuen „Wetten, dass …“-Staffel absolut unübersehbar. Spektakulärer, gefährlicher sollen die Wetteinsätze von Thomas Gottschalk bei der Saalwette sein, mal auf Lachkrampf-, mal auf Nervenkitzelniveau. Nichts mehr mit Wohnung streichen und Babysitten. Bei der Show gestern Abend wurde es richtig eng. Weil ein paar Verrückte sich ihre Hosen ohne Hände anziehen konnten, musste sich Gottschalk von einem Messerwerfer quälen lassen. Ich fragte mich: Was ist, wenn da was schief geht? Wenn der Messerwerfer vor zehn Millionen Fernsehzuschauern nervös wird und dem Gottschalk die Klinge live ins Auge haut? Es ist noch einmal gut gegangen.

Die Gästeliste für den gestrigen Abend las sich einigermaßen eindrucksvoll: Hugh Jackman und Nicole Kidman aus Hollywood, Sängerin Anastacia, Lewis Hamilton, Norbert Haug, Rick Kavanian, Til Schweiger, Alexandra Neldel und Ursula von der Leyen. Natürlich war es ausnahmslos die gewohnte Promotion-Zeremonie für aktuelle Filme, dennoch bleibt anerkennend zu fragen: Welcher deutschen TV-Show gelingt es noch, den – niemand wurde müde, es zu wiederholen – „sexiest man alive“ einzuladen? Es gibt wohl keine Sendung, in der auch nur einer der internationalen Stars auftreten, geschweige denn länger bleiben würde.

Über Wichtiges wurde nur am Rande geredet und wenn, dann wenig Erhellendes: „Alkohol am Steuer, das ist auch nicht gut“ (N. Kidman). Jeder durfte in Ruhe sein neuestes Produkt promoten und noch mehr als sonst fiel auch Thomas Gottschalk in diesen Chor ein, schließlich spielt auch er in Til Schweigers neuestem Film eine Gastrolle. Lustig wurde es leider nie; Rick Kavanian, der wohl für diesen Teil vorgesehen war, sagte komischerweise kaum ein Wort.

Erwähnenswert waren vor allem zwei Auftritte. Zum einen der von Familienministerin Ursula von der Leyen, die einen lockeren Auftritt hinlegte, wie man ihn einer Politikerin kaum zugetraut hätte. Sie war eindeutig der Höhepunkt dieses manchmal etwas drögen Abends. Zum anderen die kurze Gesangseinlage von Johannes Heesters, der bekanntlich seinen 105. Geburtstag feierte. Auch hier ist „Wetten, dass …“ wohl die einzige Sendung, für die Heesters noch die Beschwerlichkeiten eines Live-Auftritts auf sich nimmt. Die Musik-Acts sahen dagegen eher dürftig aus: Tom Jones, Pussycat Dolls, Anastacia, viel mehr war nicht. Aber das ist natürlich auch Geschmackssache.

Gewettet wurde auch, wobei Ursula von der Leyen sichtlich froh war, dass ihr kleiner Bub es wie auch immer schaffte, in einer Mülltonne 15 Handstände zu produzieren. Andernfalls hätte die CDU-Politikerin eine Wahlkampfrede für die Linken halten müssen, was sicherlich auch interessant gewesen wäre. Die anderen Promis kamen dagegen recht unspektakulär davon. Wettkönig wurde schließlich ein Typ, der mit einem Becher Würfel auf Nägel stapeln konnte. Manche Leute haben wirklich nichts zu tun.

Thomas Gottschalk zeigte Licht und Schatten. Wieder einmal kam der Showmaster katastrophal vorbereitet auf die Bühne: er verwechselte Timo Glock und Sebastian Vettel, vergaß den Namen von Thomas Hitzlsperger und patzte sogar beim Alter seines geliebten „Jopie“ Heesters. Immerhin, blöde Sprüche gab es diesmal kaum, er fasste keine Frauen an und überzog auch nur 20 Minuten. Aber egal, was geschieht: der Charme und die Eloquenz Gottschalks sind einzigartig und unnachahmlich.

Die Abgesänge, die seit Monaten und Jahren in vielen Feuilletons, vor allem beim Spiegel, zu lesen sind, kommen also verfrüht. Denn auch am gestrigen Abend zog Gottschalk ein positives Fazit am Ende der Show: „Wir werden diese Sendung konservieren und jeden Samstag senden“. Das nun nicht unbedingt. Aber bei allen Schwächen und bei aller Schlag-den-Raab-Konkurrenz bleibt erneut als Erkenntnis des langen Abends in der Schwabenmetropole: das deutsche Fernsehen braucht „Wetten, dass …“ – mangels Alternativen.

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