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Wenn einer eine Reise tut … September 24, 2008

Posted by Huge in Bücher.
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„Livealbum“, Benjamin von Stuckrad-Barre (1999)

Benjamin von Stuckrad-Barre gehört zu einer Reihe von Vertretern der „Millenium-“ oder „Popliteratur“, zu der auch Benjamin Lebert („Crazy“) doer Florian Illies („Generation Golf“) zählen. Auffällige Merkmale der Popliteraten: Mitarbeiter bei einem großen Blatt, nebenbei bemüht intelligente Chronisten ihrer Generation. Das klappt – wie bei Illies – mal mehr, oder – wie bei Stuckrad-Barre – weniger gut.

Mit seinem Erstling „Soloalbum“, der auch verfilmt wurde, erregte Benjamin von Stuckrad-Barre bereits einiges Aufsehen. In „Livealbum“ geht es mit dem Buch auf Lesereise, eine Art Tourtagebuch. Man muss nicht lange lesen, um zu wissen: eines der Bücher, die nicht einmal unsere Welt gebraucht hätte.

Stuckrad-Barre reist von Kuhdorf zu Großstadt, von Studentenwohnheim zu Grundschulklasse, immer im Dienste der Selbstvermarktung. Nicht nur deshalb wirkt der ganze Aufwand reichlich uninteressant. Was will uns dieses Buch sagen? Dass es auch Literatur-Groupies gibt? Jedenfalls breitet der junge Autor schonungslos 254 Seiten Freud und Leid eines Buch-Vagabunden vor dem Leser aus, erzählt von vor, während, nach der Lesung.

Die wenigen Lichtpunkte, etwa eine grimmige Bemerkung zu Mutterautos oder misslungene Promi-Bekanntschaften, wirken wie unendlich kleine Sterne in undenkbaren Galaxien. Die treffende Kritik für sein Buch hat Stuckrad-Barre ungewollt auf Seite 148 schon selbst niedergeschrieben: „Tournee heißt: ein blauer Stift, ganz allein, am Rad drehen, weiter. Ziel des Spiels? Hm.“ Ja, das wüssten wir auch gern.

Wer lesenswerte Tourdokumente sucht, dem sei einstweilen Thees Uhlmanns „Wir könnten Freunde werden – Die Tocotronic-Tourtagebücher“ empfohlen. Stuckrad-Barres „Livealbum“ dagegen bedarf keiner Erinnerung, außer es ist ein Zeugnis unserer vermeintlichen – aber so weit wollen wir dann doch nicht gehen …

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