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Der Schrecken des Banalen … September 21, 2008

Posted by Huge in Bücher.
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Die Taube, Patrick Süskind (1987)

Eigentlich ist er doch sympathisch, dieser Jonathan Noel. Er ist „kein Täter, eher ein Dulder“, und in seinem Leben soll der Hauptfigur des Romans von Patrick Süskind „nichts Aufregendes zustoßen außer der Tod“. So lebt Jonathan irgendwo in Frankreich in aller Ruhe sein beabsichtigt ereignisarmes, eventuell trostloses Leben. Seine Baguettes verdient er als Wachmann bei einer Bank, der Mann, der „von allen Menschen in Paris die meiste Zeit auf einem Fleck verbracht hat“.

Bis die Taube kommt und Jonathans kleine Welt über den Haufen wirft. Es ist der Schrecken des Banalen, den dieses Buch dokumentiert, ein eindimensionaler Horror, der sich als Harmlosigkeit erweist. Umso erstaunlicher, wie sehr sich der in der „Taube“ skizzierte Mensch von einem minimalen Schlenker auf seiner gut asphaltierten Lebensstraße aus der Bahn werfen lässt.

Nach seinem Welterfolg „Das Parfum“ – spannend, unheimlich, eines der besten Bücher des 20. Jahrhunderts – begibt sich Patrick Süskind von der großen Mördergeschichte zur an sich belanglosen Psychose eines Mitt-Fünfzigers. Der Reiz liegt in der Analyse des scheinbar Unwichtigen, der Wirkung von nebensächlichen, aber unerwarteten Schicksalswendungen. Für die Seitenblicke in die Gesellschaft zeigt Süskind wieder einmal Herz – wie schon bei seinem Ein-Mann-Stück „Der Kontrabass“.

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