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Genie und Wahnsinn … September 7, 2008

Posted by Huge in Filmkritik.
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„A beautiful mind“

Immer wieder begegnet man Werken, sei es literarischer oder filmischer Natur, die den Betrachter als eine Art gespaltene Persönlichkeit zurücklassen, sobald er – vielleicht auch unbewusst – zur Beurteilung schreitet. Der eine Teil genial, der andere nicht erinnerungswürdig. Folgt der geniale Teil erst am Ende, bleibt er den meisten, nämlich denen, die vorher schon enttäuscht aufgegeben haben, vorenthalten. Ähnlich geortet sind auch Fälle wie der des neuen Walser-Romans „Ein liebender Mann“, dieser Goethe-Studie, die der SPIEGEL als „höchstens in der ersten Hälfte erträglich“ abkanzelte.

Dürftig ist auch die erste Hälfte von „A beautiful mind“, der verfilmten Lebensgeschichte des Mathematikers John Nash (Russel Crowe). Nash erscheint als kauziger, verschrobener Vollblut-Wissenschaftler auf der Suche nach der großen Entdeckung. Dass die soziale Vernetzung des jungen Mannes dabei scheitert, erscheint als nur natürlich. Sein einziger Freund: Charles, der Mann mit Respekt vor Pizza und Bier. Nach seiner Zeit an der Universität in Princeton gerät Nash in eine hochbrisante CIA-Operation gegen den KGB.

Zumindest scheint es so. Denn an dem Punkt, an dem Nash (mittlerweile Professor) zusammenbricht, beginnt der weitaus interessantere zweite Teil. Plötzlich wird aus dem seltsamen Genie ein psychisch kranker Wahnsinniger. Charles und CIA-Agent William Parcher entpuppen sich nach und nach als trügerische Phantasiegebilde einer schizophrenen Persönlichkeit, Nashs angeblicher Top-Secret-Job als wirres Zettelchaos. Der Mann, der Adam Smith, seines Zeichens gewissermaßen der George Washington der Volkswirtschaft, widerlegt hat, ist am Tiefpunkt angekommen – nur seine Frau (Jennifer Connely) hält noch zu ihm. Mit medizinischer Hilfe bekommt Nash seine Psychose wieder in den Griff, kann trotz eines schweren Rückfalls wieder arbeiten, wenn auch mit Hindernissen. Endgültig wird er die Halluzinationen nie überwinden, nur eindämmen können. Dennoch erhält er am Ende den Nobelpreis.

Mit einer Meisterleistung an Regie und Handlungskomposition löst „A beautiful mind“ in kleinen Schritten die großen Rätsel auf der Suche nach der Wirklichkeit. Während die erste Hälfte die Welt aus der Sicht des kranken John zeigt, folgt danach die gnadenlose Demaskierung. Russel Crowe glänzt in der Paraderolle des genialen Verrückten, der mit der Realität offensichtlich überfordert ist. Ein starker Charakter, der durch das Zusammenspiel mit Jennifer Connoly noch unterstrichen wird.

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