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Der Sieg des Schönen. Eine Hommage an den Europameister … Juni 30, 2008

Posted by Huge in Fußball.
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Wenn die Töne ihrer Nationalhymne erklingen, schweigen Spaniens Fußballtoreros. Nicht aus Konzentrationsgründen oder Textunsicherheiten, der Grund ist ausgesprochen prosaisch: Spaniens Nationalhymne besitzt keine einige Zeile Text. Keiner der Männer, die in rot und gelb auf dem Rasen von Wien sich in den Fußballolymp zelebrierten, war geboren, als dieses Instrumentalstück vor 44 Jahren als Europameisterhymne erklang – zum letzten Mal. Bis zu diesem 29. Juni 2008.

Spanien ist endlich wieder Europameister. Aus Spielern werden Helden, unsterbliche. Und auch wenn der deutsche Fan auch heute noch der verpassten Chance des vierten EM-Titels hinterhertrauert, muss er doch zugeben: einen besseren Sieger hätte dieses Turnier kaum finden können. Denn Spaniens Erfolg ist kein Allerweltsverdienst, es ist ein Sieg des Schönen.

Keiner hat so viel Spaß am Spiel mit dem runden Leder wie diese Iberer. Individuell war die spanische Auswahl schon immer ein Sammelbecken für Hochbegabte, doch mittlerweile ist aus den Einzelkönnern ein homogenes Ensemble erwachsen. Ohne allerdings seine Genialität dabei zu verlieren. Es geht dem Beobachter,neutral oder nicht, das Herz auf und jeder, der ein wenig Fußballverstand sein Eigen nennt, gerät ins Schwärmen, wenn Spaniens Künstler loslegen. Quasi jeder ist für eine Aktion gut, die das Eintrittsgeld schon lohnt.

Vor allem dieses Mittelfeld. Die Spielübersicht eines Iniesta, die Pässe eines David Silva, die Unermüdlichkeit eines Senna, die Standards eines Xavi, die Kreativität eines Fabregas machen das spanische Spiel zum Genuss. Trainer Luis Aragonés besitzt schier unendlich viele Variationsmöglichkeiten und kann sich sogar den Luxus leisten, ein Spielsystem speziell für sein Team entwickelt zu haben: das 4-1-4-1-System. Immer drei Anspielstationen im Mittelfeld, dazu die gelegentlichen Geistesblitze – dagegen gibt es kaum ein probates Mittel.

Es sind Spaniens stille Stars, die den Erfolg garantieren. Wer den bereits erwähnten Xavi und Iniesta zusieht, hat den Eindruck, als verbiete irgendein Gen diesen Ausnahmeakteuren das defensive, ergebnisorientierte Spiel. Und wer den internationalen Fußball nicht eingehend verfolgt, dürfte sich fragen, warum die beiden so selten Erwähnung finden in den bunten Blättern. Ganz einfach: sie wollen Fußball spielen, am liebsten bis morgen früh und sonst nichts.

Auch auf den übrigen Positionen ist Spaniens Team mit Weltstars gespickt. Iker Casillas im Tor, Carles Puyol in der Innenverteidigung oder Fernando Torres im Sturm gehören zur Créme de la créme der kickenden Zunft. Jetzt haben sie endlich auch ihren Titel mit der Nationalelf. Fertig sind sie indes noch lange nicht, Casillas beispielsweise spielt seit Ewigkeiten im Nationalteam und zählt doch lediglich 27 Jahre. Der Stern von David Villa, Torschützenkönig, geht gerade erst auf. Mit dieser Mannschaft ist zu rechnen, auch in Südafrika 2010.

Bis dahin werden wir uns mit einem Lächeln der wunderbaren Spiele dieser EM entsinnen. Kein Tor, dass Torres und Co. nicht ansehnlich herausgespielt hätten. Einfallslose Standards, Verzweiflungsbälle – Fehlanzeige. Spanischer Fußball in den vergangenen drei Wochen hieß Freude, Tempo, Kunst, ein Gegenentwurf zur berechnenden, kühlen Philosophie. Am deutlichsten trat dieser Gegensatz im Viertelfinale gegen Italien zu Tage: Italien spielte auf Zeit, Spanien auf Sieg und gewann. Schöne Spiele, schöne Tore, schöne Siege – wir wollen mehr davon. Auch als Deutsche. Viva Espana!

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