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Das Runde im Eckigen. Der große TV-Check zur EM … Juni 23, 2008

Posted by Huge in Fernsehen, Fußball.
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Das TV-Angebot zur Fußball-EM ist allumfassend. Nicht unbedingt zur Freude der wenigen Nicht-Fußballbegeisterten, doch dem Bann des runden Leders im eckigen Kasten kann sich ohnehin kaum jemand entziehen. Nachfolgend ein Check der wichtigsten Bestandteile öffentlich-rechtlicher EM-Berichterstattung.

Moderatoren und Experten. Bei der ARD bereiten seit zehn Jahren Gerhard Delling und Günter Netzer die Spiele vor und nach. Doch während der eine ohne den anderen kaum noch vorstellbar ist, machen sich auch immer mehr „Altes-Ehepaar-Symptome“ bemerkbar. Die Analyse kommt allzuoft als Pflichtteil daher, der bieder und spannungsfrei abgespult wird. Wirkliche Emotionen kommen im sterilen Studio nur selten auf, wenn Netzer in Wallung gerät. Dennoch: die feinen, durchaus intelligenten und hochgradig ironischen Spitzen der beiden (Netzer: „Ich habe Sie nicht genügend beschimpft, das wird sich ändern“) sind immer noch und immer wieder lustig und hörenswert. Das vielstimmige Lob für Neuling Mehmet Scholl, der gemeinsam mit Reinhold Beckmann die 18 Uhr-Spiele betreute, kann ich nicht direkt nachvollziehen, auf mich wirkte er etwas krampfhaft und wenig wortgewandt. Außerdem ist das Dup Beckmann-Scholl naturgemäß so gut wie gar nicht eingespielt. Nach acht Tagen war der Einsatz bereits beendet, eigentlich fast schon eine Beleidigung für Beckmann, der vor zwei Jahren noch das WM-Finale kommentierte.

Währenddessen geht man beim ZDF bereits seit der WM 2006 andere, sehr erfolgreiche Wege der Spielanalyse. Von der Seebühne in Bregenz werden sämtliche  Ereignisse kommentiert. Jürgen Klopp, längst Kult als „Trainer der Nation“ mit seinem Digital-Buntstift, erklärt Taktik und Spielgeschehen auch für Laien verständlich auf unterhaltsame Art und Weise. Das ZDF hat die Zeichen der Zeit erkannt, das fehlt den Kollegen der ARD. Der launige Klopp („Spanien ist schon raus und weiß es noch gar nicht“) als wichtigster Teil der Dreierkette wird unterstützt von Johannes B. Kerner, der beim Fußball angenehm zurückgenommen und entspannt wirkt, und Urs Meier. Allerdings entsteht oft der Eindruck, dass meier als Ex-Schiedsrichter bei Fußballfragen meist nur das fünfte Rad am Wagen spielt, bei Regelfragen aber Gold wert ist.

Kommentatoren und Interviewer. Hier liegt die ARD deutlich vorn. Für das Erste berichten Steffen Simon und Tom Bartels aus den Stadien. Es ist schwer für einen Fußball-Kommentator, positiv aufzufallen. Immerhin tun sich die beiden nicht negativ hervor. Im Gegenteil: Simon war wohl der einzige im Stadion (außer dem Schiedsrichter), der die korrekte Auslegung der Abseitsregel bei Niederlande-Italien schon nach der ersten Zeitlupe parat hatte. Bartels wird von allen Seiten bejubelt, darf das Finale kommentieren, ist ein relativ zurückhaltender Typ. Monica Lierhaus als Kontaktperson bei der deutschen Elf hat einen offensichtlich guten Draht zu Jogi Löw. Schade nur, dass Gerd Gottlob diesmal anscheinend völlig außen vor bleibt, warum auch immer.

Das ZDF braucht offenbar drei Live-Reporter. Von denen kann allerdings nur Bela Rethy wirklich überzeugen. Der verfügt als „alter“ Recke über Hintergrundwissen und gehört damit zur Elite der deutschen Kommentatoren. Was man von Thomas Wark und Wolf-Dieter Poschmann nicht gerade behaupten kann. Vor allem Poschmann gebührt wohl der Sonderpreis in den Kategorien „Spieler verwechseln“, „falsche Aussprache“  und „fußballerische Inkompetenz“. Michael Steinbrecher beim DFB-Team wirkt deutlich distanzierter, aber auch kreativer als Lierhaus.

Comedians. Oliver Pocher kommt als Teil des EM-Teams der ARD deutlich zu selten zum Einsatz, außerdem meist zu später Stunde. Dafür ist er aber (meistens) recht lustig, vor allem als Parodist, was man von den Herrschaften in „Waldis EM-Club“ nur selten behaupten kann. Mit langweiligen Späßen über die Mannschaften des Abends und den markigen Sprüchen einiger selbsternannter Experten versucht der Urbayer Waldi samt Gästen das Publikum wach zu halten.

Aber das gelingt immerhin noch besser als bei der Witzerunde des ZDF. Dort geht es bei „Nachgetreten“ oberflächlich, unlustig, aber dafür oft unfair zur Sache. Spaß macht das schon lange nicht mehr.

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